Gurten - im Innviertel
Luftbild Gurten 1986
Das Gelände unserer Gegend mit seiner mächtigen Schlierunterlage, die das Niederschlagsgebiet eines seichten Meeres ist, hat sich im tertiären Zeitalter gebildet.
Die Verschotterung des oberen Innviertels ist ein Produkt der einstmals in beträchtlichem Umfange aus den Alpengebieten kommenden Gewässer. Dieser Schotter besteht hauptsächlich aus Quarz, er enthält aber auch zahlreiche Urgesteine, wie sie in den Zentralalpen vorkommen, und was bei der Nähe der Kalkalpen recht merkwürdig ist, verhältnismäßig recht wenige Kalksteine. Stellenweise ist er durch ein kalkhältiges Bindemittel zu einem ziemlich festen Konglomerat verkittet. In seinen tieferen Lagen finden sich große Blöcke, die durch Verkittung mit Quarz entstanden sind, sowie zahlreiche Stücke verkieselter Holzstämme, die den Feinbau des Holzes noch ausgezeichnet zeigen. Gerade die Höhen zwischen Eitzing und Gurten sind reich an solchen Fundstücken.
Die Besiedelung unserer Gegend währte vom 7. bis ins 15. Jahrhundert. Die verschiedenen Ortsnamen geben uns darüber Aufschluss. Wir finden echte "-ing"- Namen, wie Freiling, Penzing usw., aus der Zeit der ersten bayrischen Ortsbesiedelung, daneben Bezeichnungen auf "-ham" oder "-heim", welche auf eine fränkische Nachbesiedelung zurückzuführen sein dürften. Während der Magyareneinfälle gingen viele dieser Siedlungen wieder zugrunde und es kam zu einer Nachkolonisierung seit etwa 960. Die Namen dieser neu geschaffenen Siedlungen sind zusammengesetzt aus Personennamen und Nachsilben, wie -kirchen, -berg, -bach, -furt u. a. Den größten Teil des Ortsnamenschatzes nehmen aber die Rodungsnamen ein.
Die Gegend von Gurten hat urkundlich eine reiche Überlieferung und geschichtliche Beglaubigung, welche wir der Zugehörigkeit des Ortes zu der großen geistlichen Grundherrschaft des "Bistums Passau" verdanken.
Die erste urkundliche Erwähnung von Gurten fällt in das Jahr 786, wo ein gewisser Cogo seinen Besitz in Gurten an das Hochstift von Passau vergab. - Unter den Zeugen sundarheri presb. - Leistung: sex pones XXX porcos XXX ones XIII manicipias (Hörige). X caperas (Ziegenböcke). V B. T 444.
Auch aus den Jahren 788, 903 und dann aus dem 12. bis 16. Jahrhundert sind uns viele urkundliche Aufzeichnungen über Gurten bekannt. Funde aus der jüngeren Steinzeit, aus der Bronze- und Eisenzeit zeugen aber dafür, dass die Gegend um Gurten auch schon lange vor seiner eigentlichen Besiedelung ein vielbesuchtes Durchzugsgebiet war.
Während der Römerzeit dürften die beiden Hauptstraßen Juvavum - Bojodurum (Castra Batava) und Eferding - Braunau das Gebiet um Gurten berührt haben. Auch dürfte von Straß bis Neuhofen bei Ried i. I. ein Saumweg niederer Ordnung nach Gurten geführt haben. Funde aus der Römerzeit beweisen dies. Auch der Ortsname Gurten stammt (nach Schiffmann) aus dem keltisch-lateinischen Kulturkreis.
GEOLOGISCHES UND HISTORISCHES
Der Ortskern 1986
Der Ortskern von Gurten im Jahre 1950. Drachenfoto von Lehrer Rudolf Mayrhofer.
Die 65 Jahre seit dem Ende des 2.Weltkrieges brachten für Gurten eine äußerst positive Entwicklung und zwar in mehrfacher Hinsicht. Die Kriegswirren verschlugen viele deutschstämmige Flüchtlinge hierher, deren Nachkommen schon in dritter Generation hier leben und voll integriert sind.
Gurten, am Straßenkreuz Ried-Obernberg und Aurolzmünster-B 141 gelegen, hat seinen Charakter als typisches Straßendorf weitgehend abgelegt und dafür ein eindrucksvolles Ortszentrum gewonnen. Mit Ankauf und Abbruch des ehemaligen Graslhofes 1960 durch die Gemeinde entstand ein geräumiges Areal in der Ortsmitte. Hier befindet sich seit 1966 das Gemeindeamt. Der unmittelbar angrenzende kirchliche Bereich mit Friedhof und Aufbahrungshalle verbindet sich harmonisch mit dem profanen zum neuen Mittelpunkt des Ortes. Die völlige Neugestaltung 2004 ist der letzte Schritt eines jahrzehntelangen Bemühens um die Ortsgestaltung und Verschönerung. Bereits 1966 und 1968 wurde Gurten der Ehrentitel "Schönstes Dorf Oberösterreichs" zugesprochen.
Rege Bautätigkeit ließ die Zahl der Häuser Gurtens von 50 im Jahr 1950 auf über 200 ansteigen, wodurch 2006 die Einführung von Straßennamen notwendig wurde. Die Basis für dieses Wachstum war ein kluges Bemühen um die Ansiedlung von Betrieben (Maschinenbau Fill, Beton- und Fertighaus-werk Romberger, Landtechnik Frauscher, Steinbau Zechmeister u.a.) von seiten der Gemeinde und unterstützt auch von der Pfarrpfründe durch die Bereitstellung von Gründen. Mit derzeit rund 600 Arbeitsplätzen bei ungefähr 1200 Einwohnern hat sich Gurten zur Einpendlergemeinde und zu einem wirtschaftlichen Zentrum in Westen des Bezirkes Ried entwickelt. Gurtens Lage an der Bahn Simbach-Neumarkt/Kallham trug im 19. und 20. Jahrhundert sicherlich zur wirtschaftlichen Blüte bei. Heute übernimmt diese Funktion immer mehr das gut ausgebaute Straßennetz. Gurtens Wahrzeichen, sein Kirchturm, wurde in zwei Abschnitten saniert. 1973 musste seine tief eingeschnittene Zwiebel völlig neu gebaut und mit Kupfer gedeckt werden. 2004 wurden das Mauerwerk des Turmes und die Strebepfeiler der Kirche generalsaniert. Die schon wurmstichige Orgel aus 1878 konnte 1998 durch ein neues Werk des Orgelbauers Bernhardt Edskes ersetzt werden. Pfarrheim und Bücherei werden fleißig genutzt.
1973 übersiedelte die vierklassige Volksschule vom alten Schulhaus an der Kreuzung in den Neubau mit angeschlossenem Turnsaal an der Schulstraße. 1982 folgte der Kindergarten und 1995 die Musikschule in der auch die Musikkapelle ihre Heimstätte fand.
In Gurtens Landwirtschaft macht sich ein Konzentrationsprozess bemerkbar, den man mit dem Satz "Vom Hörndlbauer zum Körndlbauer" umschreiben könnte. Viele Betriebe gaben die Milchviehhaltung auf und stellten auf Ackerbau um. Eine Grundzusammenlegung um 1970 schuf die dazu nötigen größeren Flächen. Seit 1940 besteht hier das Lagerhaus, seit 1969 arbeitet der "1. Innviertler Maschinen- und Betriebshilfering." Er ermöglicht die überbetriebliche Zusammenarbeit in der Landwirtschaft.
Gurten hat ein reges Vereinsleben mit gut gerüsteter Feuerwehr, einer Trachtenmusikkapelle und dem traditionsbewussten KOV. Die seit 1961 bestehende Turn- und Sportunion verfügt über eine großzügige Sportanlage mit Plätzen für Tennis und Stocksport und eigenem Vereinsheim. Die Sektion Fußball spielt sogar in der Landesliga West.
Weit über Österreich hinaus haben Gurten und Freiling die Dichtungen des hier gebürtigen Dr. Gottfried Glechner (1916 - 2004) bekannt gemacht. Zur Erinnerung an sein Wirken setzte die Gemeinde 2006 zwei Gedenksteine an den Ortseinfahrten von Freiling.
Anlässlich des 1200-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung von Gurten schrieb OSR. Georg Baumkirchner 1986 im vielbeachteten Gurtener Heimatbuch: "Ein Dorf verändert sein Gesicht." Der darin beschriehene Strukturwandel des landwirtschaftlich geprägten Dorfes, hin zur gewerblich industriellen Gemeinde, hat sich in den vergangenen 24 Jahren nochmals verstärkt. So verfügt Gurten derzeit über rund 600 Arbeitsplätze. Der mit Abstand größte Arbeitgeber, die Firma Fill, exportiert mit den in Gurten produzierten Anlagen höchstes technisches Know-how rund um den Erdball. Auch als Wohngemeinde ist Gurten auf Grund der intakten Infrastruktur sehr beliebt. Nahversorger für die Dinge des täglichen Lebens stehen ebenso zur Verfügung wie eine ansprechende Gastronomie. So entstanden in den letzten Jahrzehnten an den sonnigen Hängen des Eichberges viele schmucke Siedlungen. Nach wie vor steht gewidmetes Bauland in verschiedenen Ortsteilen zur Verfügung. Gurten ist geprägt von einem aktiven Vereinsleben, das auch das Fundament dörflicher Gemeinschaft bildet. Durch das dankenswerte Engagement der Pfarre zur Errichtung eines Pfarrsaales sollte sich auch die Raumproblematik bei dörflichen Veranstaltungen entspannen. Als Projekte für die kommenden Jahre stehen die Renovierung beziehungsweise Erneuerung von Schule und Kindergarten sowie die Neugestaltung der Straßenbeleuchtung an erster Stelle.
Gurten: Ein Dorf verändert sein Gesicht