Pfarre Gurten
Glockengeschichte
Die Glocken unserer Pfarrkirche haben im 20. Jahrhundert ein sehr wechselvolles Schicksal erlebt. Im August 1913 war ein neues Geläute im Wert von 10.000 Kronen angeschafft worden, da die alten Glocken teilweise schadhaft waren. Im Weltkrieg 1914 bis 1918 mußten nun zwei Drittel des Gesamtgewichtes eines Geläutes für Kriegszwecke abgeliefert werden. 1916 wurden die große Glocke mit dem Ton "es" und die kleine Glocke mit dem Ton "b" vom Turm abgenommen, die mittlere Glocke blieb. Manchen Pfarrkindern wurden beim letzten Erklingen des Geläutes die Augen naß.
Obwohl erst 1913 ein neues Geläute angeschafft worden war, wagte es Pfarrer Hager im Vertrauen auf den bewährten Opfersinn der Gurtner Pfarrbevölkerung und bewogen durch die Sehnsucht der Menschen nach einem Geläute, wenigstens wieder zwei Glocken anzuschaffen. Im Mai 1919 gingen Pfarrer Hager und die Zechpröpste Josef Mayrleitner und Josef Simetsberger als Sammler von Haus zu Haus. Das Resultat war so erfreulich, daß gleich drei Glocken angeschafft werden konnten. Franz Wimplinger, Schrotshammer in Edt, gab 1000 Kronen und versprach weitere 1000, wenn gleich drei Glocken bestellt würden, was am 27. Mai dann auch geschah. So war Gurten die erste Pfarre, die in der Glockengießerei St. Florian bei Linz ein vollständiges Geläute bestellen konnte.
1916 mußten im 1. Weltkrieg die Glocken abgenommen werden.
Am 21. Dezember 1919, an einem vierten Adventsonntag, feierte Gurten nach sechs Jahren bereits wieder Glockenweihe. Die Glocken kamen in letzter Minute an. Die alte Frau Aigner erwartete das neue Geläute sehnlichst auf ihrem Krankenbett. Sie starb am Abend des Glockenweihtages, nachdem sie die Glocken einmal gehört hatte. Die Gurtner Glocken waren nach dem 1. Weltkrieg in der ganzen Diözese das erste in St. Florian gegossene Friedensgeläut. Es kostete 54.000 Kronen und war bis Ostern 1920 völlig bezahlt.
Auch dieses Geläute sollte nur etwas mehr als 20 Jahre in der luftigen Turmstube beheimatet sein. 1939 war der 2. Weltkrieg ausgebrochen und bereits im Dezember 1941 mußten drei von vier Glocken abgeliefert werden. Baumeister Romberger montierte sie ab und nur die kleinste durfte bleiben. Sie wogen 2100 Kilo und standen noch einige Tage bis zu ihrem Abtransport im Friedhof. Mancher ging hin, um sich schweren Herzens zu verabschieden. Die Pfarrchronik vermerkt den Ausspruch eines Mannes gegenüber Pfarrer Dietrich: "Im 1. Weltkrieg haben wir auch die Glocken hergeben müssen, aber dann war mit den Siegen Schluß. Ob es jetzt auch wieder so wird?"
Es wurde wieder so, wie wir heute wissen, und ebenso wie nach dem 1. Weltkrieg war auch in der Zeit nach dem Zusammenbruch 1945 der Wunsch nach neuen Glocken groß. Als Pfarrer Dietrich im August 1947 im Krankenhaus Wels lag, sickerte die Nachricht durch, daß man nicht bloß gegen Metallablieferung, sondern auch gegen Bargeld in St. Florian wieder Glocken bekäme. Eines Tages standen Bürgermeister Martin Neulentner, Staller in Schmalzberg, Georg Brunthaller, Schulereder in Ranzing, und Fritz Mayrleitner, Hinterbauer in Freiling, vor Pfarrer Dietrichs Krankenbett. Sie waren gerade auf der Fahrt nach St. Florian, um die Bedingungen für die Anschaffung neuer Glocken auszukundschaften. Ein neues Geläute war im Kostenvoranschlag mit 100.000 Schilling angesetzt. Nach seiner Genesung fuhr Pfarrer Dietrich mit Bürgermeister Neulentner von Haus zu Haus und erreichte Zeichnungen in der Höhe von 97.000 Schilling. Damit war die Anschaffung zwar gesichert, doch die Beschaffung des Kupfers gestaltete sich schwierig. Noch schwerer war allerdings das Zinn zu bekommen. Dazwischen platzte die Währungsreform und drohte ein Drittel des Wertes des Glockengeldes zu verschlingen. Die Gemeinde beschloß aber, das Glockengeld als Gemeindegeld zu behandeln, wodurch von der gesammelten Summe nur 16.000 S durch die Währungsreform verloren gingen. Im Frühling 1948 nahmen das oben erwähnte Komitee sowie Pfarrer Dietrich und Müllermeister Ludwig Hartl am Glockenguß in St. Florian teil.
Glockenweihe 1948 durch Prälat Floridus Buttinger von Reichersberg.
GLOCKENWEIHE 1948
Den älteren Gurtnern ist heute noch das großartige Fest der Glockenweihe am 13. Juni 1948 durch Prälat Floridus Buttinger von Reichersberg in lebhafter Erinnerung. Beim Festabend im Bauböcksaal trug Dr. Horvat mit Sängerrunde und Musikkapelle wesentlich zur Feier des Festes bei. Ein Festzug formierte sich, der von 19 Reitern angeführt wurde und der die Glocken vom Pfarrhof zur Kirche geleitete. Der Festtag hinterließ die große Freude, wieder gutklingende Glocken zu haben und drückte auch die Zuversicht der Menschen aus, wieder in Frieden leben zu können.
Doch hörte man öfters die stille Klage: "Es fehlt halt die große Glocke." Diesem verständlichen Wunsch aller trug nun ein unvorhergesehenes Ereignis Rechnung. Am 17. August 1948 traf die Meldung ein, daß die Russen oberösterreichische Glocken in Ilsenburg im Harz freigegeben hatten. Gurten sollte also die drei abgelieferten Glocken, die dort in einem Depot noch immer auf ihre Einschmelzung warteten, wieder bekommen. Die Glocken kamen tatsächlich nach Linz, der Transport bis hieher kostete freilich 3421 Schilling. Leider waren alle drei beschädigt. Darum stand bald der Entschluß fest, die große Glocke auf den Ton "e" umgießen zu lassen und die beiden anderen zu verkaufen. Reichersberg erwarb sie um 17.000 S. Die Glockengießerei St. Florian erhielt den Auftrag zum Umguß. Eine Metallanalyse ergab, daß die große Glocke einen zu geringen Zinnanteil besaß. Daher mußte noch um 7000 S Zinn dazugegeben werden. Die große Glocke sollte die "Kriegerglocke" werden. Pfarrer Dietrich vermerkt in der Pfarrchronik: „Ganz Gurten hatte an dieser Glocke helle Freude. Sie schien wie aus Gold zu sein und auch ihr Ton war goldrein und klar." Sie kostete durch den Umguß nur 10.475 Schilling. In einer eigenen Feier wurde sie am 5. Dezember 1948 wiederum von Prälat Floridus geweiht. In Verbindung mit der Glockenweihe wurde eine große Heimkehrerfeier veranstaltet, bei der der Theologiestudent und Kriegsheimkehrer Georg Glechner namens der Heimkehrer eine vielbeachtete Ansprache hielt. So ist Gurten nun seit fast 40 Jahren im Besitz eines klanglich gut abgestimmten wertvollen Bronzegeläutes. Sein Klang begleitet freudige und traurige Anlässe im Pfarrleben und ruft regelmäßig zum Gebet. Es ist nicht von ungefähr, wenn man Glocken eine „Seele" zuschreibt. Wie sonst wäre es zu erklären, daß man ihren Klang dem Anlaß entsprechend einmal jubelnd und ein andermal traurig empfindet.
Glockenweihe 1948 (links oben Pfarrer Dietrich, rechts außen Prof. Georg Glechner als junger Theologe).
1. Große Kriegerglocke: Durchmesser 129 cm, Gewicht 1189 kg, Ton "e".
Inschrift: "Der hl. Michael möge uns in jedem Kampf stärken." - "Das erste Mal wurde ich im Jahre 1919 gegossen, im Januar 1942 wurde ich zum Kriegsdienst einberufen und kehrte im Juli 1948 zurück. Meister Hans Dettenrieder gab mir das neue Kleid am 28. 10. 1948 und so kehre ich zu den Gurtnern zurück."

2. Marienglocke: Durchmesser 104 cm, Gewicht 560 kg, Ton "g"; der Unbefleckten Empfängnis Mariens geweiht.
Inschrift: "Dieses Geläute ist 1948 nach dem furchtbaren Krieg durch Spenden der ganzen Pfarrgemeinde hergestellt worden unter dem Pfarrer Valentin Dietrich, Bürgermeister Martin Neulentner und den Zechpröpsten Otto Putscher und Alois Reischauer." - "Gottes Liebe, Gottes Frieden sei euch allen stets beschieden! Daß ihr mögt den Himmel finden, soll mein Geläute euch verkünden."
Patin: Anna Brunthaler, Schulerederbäuerin.

3. Anna-Glocke: Durchmesser 87 cm, Gewicht 330 kg, Ton "a"; der hl. Mutter Anna geweiht. Inschrift: "Hl. Mutter Anna, bitte für uns!" - "Vor Feuer, Hagel, jeglicher Gefahr die ganze Pfarrgemeind', o Herr, bewahr'!"
Patin: Rosa Burgstaller, Fleischhauersgattin.

4. Josefi-Glocke: Durchmesser 79 cm, Gewicht 235 kg, Ton "h"; St. Josef mit dem Jesuskind geweiht. Inschrift: "St. Josef, sei unserer Jugend Schutz und Vorbild!" Patin: Anna Ortmaier.
Die oben beschriebenen Glocken, wie sie heute in unserem Kirchturm hängen.
Das alte Uhrwerk (Baujahr 1847, Meggenhofen), das bis zur Elektrifizierung die Kirchturmuhren mechanisch angetrieben hat. Die Gewichte, die die Energie für die Uhr lieferten mußten täglich über Kurbeln aufgezogen werden. Ein ca. 3 Meter langes Pendel reicht in den darunterliegenden Zwischenstock.
Heute werden die Kirchturmuhren und das Läuten der Glocke(n) zu jeder Viertel-Stunde vollautomatisch und Sekundengenau (über die Funkuhr aus Frankfurt) elektrisch gesteuert.