Gurten in der Nachkriegszeit
Neubeginn 1945
Nach dem Zusammenbruch und dem Einmarsch der Amerikanischen Armee in den ersten Maitagen stand die Gemeinde praktisch an der Stunde Null. Die Besatzungsmacht suchte durch ihren Bezirksvertrauensmann Meier in jeder Gemeinde Männer, die sich für das Nationalsozialistische Regime nicht engagiert hatten, um das öffentliche Leben wieder auf eine demokratische Basis zu stellen. Schon am 16. Mai 1945 trat der bestellte Gemeinderat zusammen. Im Protokollbuch der Gemeinde scheinen dabei auf: Martin Neulentner, Stadler in Schmalzberg, als Bürgermeister, Georg Brunthaler als Vizebürgermeister, Bahnvorstand Hintersteininger als Gemeinderat sowie die Ausschüsse Fleischhauer Johann Burgstaller, Johann Stranzinger, Johann Gerstberger, Rupert Reich, Fritz Mayrleitner, Franz Hattinger, Franz Weinberger, Josef Gurtner, Karl Briedl und Alois Mayr. Der Gemeinderat hatte sich mit Sammlungen für die Kriegsgefangenen und mit Getreideablieferungen zur Linderung der angespannten Ernährungssituation sowie mit Entnazifizierungsproblemen zu beschäftigen. Gewerbesperren waren zu überprüfen, eine Kleidersammlung für KZ-Häftlinge durchzuführen und nicht zuletzt die Holzrechnung für die noch nicht bezahlten Panzersperren zu bedecken. Das Lagerhaus wurde als Getreideverteiler bestellt, eine wichtige Funktion unmittelbar nach dem Krieg. Eine Kommission zur Brennholzversorgung und gerechten Verteilung leitete Georg Brunthaler. Darüber hinaus bemühte sich der Gemeinderat um alle Kriegsgefangenen und politisch Inhaftierten. Am 10. 1. 1946 konnte erst der Rechnungsabschluß 1944 erstellt werden, der einen Überschuß von 14.633,24 RM erbrachte. Der Haushalt wurde von Johann Burgstaller und Hans Hintersteininger geprüft. Am 31. 1. 1946 suchte Johann Dirmeier um die Konzession für einen Kinobetrieb an. 1949 nahm das Kino seinen Betrieb auf und dauerte bis 1969, als das Fernsehen fast alle Haushalte erobert hatte. Weiters hatte man sich mit Erlässen der Veterinärbehörde bezüglich Maßnahmen gegen auftretende Tierkrankheiten, wie des seuchenhaften Verwerfens, zu befassen, und war froh, als am 21.6. 1946 Dr. med. vet. Hans Horvat die Tierarztstelle in Gurten übernahm.
Obwohl die Probleme groß waren, hatten alle Menschen neue Zuversicht gefaßt.
Die Kriegsopfer- und Heimkehrerverbandsortsgruppe
Als sich 1945 nach dem Zusammenbruch das öffentliche Leben neu formierte, suchten die Kriegsversehrten, die Kriegsbeschädigten und die Hinterbliebenen der Kriegsopfer nach einer Organisation, die ihre Interessen vertreten sollte. Viele Menschen waren nach 1945 noch nicht oder nicht ausreichend sozialversichert und erwarteten sich daher von einem Zusammenschluß eine wirksamere Durchsetzung ihrer mehr als berechtigten Ansprüche. So wurde auf Landes- und Bundesebene der Kriegsopferverband ins Leben gerufen. 1946 sammelten sich die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen um den ersten Obmann Franz Mayr.
1947 wurde die erste Ortsgruppe des KOV in Gurten ins Leben gerufen. Neuer Obmann wurde jetzt der Buchhalter Josef Auer, Schriftführer Ferdinand Mair und der Postbeamte Friedrich Schachinger Kassier. Johann Burgstaller (Altbürgermeister) und Rudolf Gaisböck, Maxl in Reiset, wurden Beiräte. Der neugegründete Verein hatte über Aufgabenmangel nicht zu klagen. Die Vertretung der Ansprüche seiner Mitglieder war bei der großen Zahl verschieden gelagerter Fälle alles andere als leicht.
1953 wurde der Müller und Landwirt Mathias Hainzl zum neuen Obmann gewählt, Ferdinand Mair blieb Schriftführer, Kassier wurde der Angestellte Ferdinand Weiermann und die Kriegerswitwe Theresia Kobler die erste Obfrau des Vereines. Die gezielte Werbung von Hainzl und Weiermann erbrachte die stolze Zahl von 72 Neubeitritten, als sich fast alle Heimkehrer dem KOV anschlossen. Unter Hainzls Obmannschaft erfuhr der Verein eine wesentliche kameradschaftliche Ausrichtung und wurde im Leben der Gemeinde in zunehmendem Maße präsent.
1955 wurde am Sonntag nach Allerseelen die erste Kriegergedächtnismesse gelesen und im Anschluß daran eine Ehrung der Gefallenen vor dem Kriegerdenkmal abgehalten. Sie wurde seither jährlich durchgeführt und hat ihren festen Platz im Jahresablauf. Der Verein umfaßte 1955 60 Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene, sowie 58 Heimkehrer.
1956 organisierten Obmann Hainzl mit Kamerad August Schachinger den ersten KOV-Maskenball, der bis heute ein Fixpunkt bei den Faschingsveranstaltungen in Gurten geblieben ist. Damals wurden auch die Uniformkappen angeschafft und auf Betreiben der Bezirksorganisation die Patenschaft mit der BDK-Ortsgruppe Regensburg-Konradsiedlung abgeschlossen. Im August nahm der Verein an einem großen Soldatentreffen in Mettmach teil und unternahm einen Ausflug nach Kärnten.
1957 wurde August Schachinger zum Obmann des KOV gewählt, Schriftführer wurde Rudolf Steinhögl und Maria Hamminger Obfrau. Bei der Vollversammlung am 10. März 1957 wurde der Beschluß zur Anschaffung einer Vereinsfahne gefaßt. Der Verein wurde in Kriegsopfer- und Heimkehrerverband umbenannt und Felix Gaisböck zum Obmannstellvertreter gewählt.
Am 18. und 19. Mai 1957 konnte das große Fest der Fahnenweihe begangen werden. Die Bevölkerung und die Mitglieder hatten großzügig gespendet. Fahnenpatin war Maria Lengauer, Bäuerin vom Daringergut in Mittermoos. Das Fest wurde am Vorabend mit einer Kriegerehrung und einem Fackelzug eingeleitet, wobei sich 34 auswärtige Vereine mit vier Musikkapellen und 28 Fahnen beteiligten. Anschließend traf man sich bei einem Kameradschaftsabend im Bauböck-Saal. Am Sonntag weihte Pfarrer Bohuslav im Rahmen einer Feldmesse, welche von Prof. Georg Glechner zelebriert wurde, die neue Fahne. Die Feier fand auf der Terrasse des Hauses Peßmasl statt und wurde von 2500 Menschen besucht. Nationalrat Otto Kranzlmayr hatte den Ehrenschutz übernommen. Die Ortsmusik spielte Schuberts Deutsche Messe. 33 auswärtige Vereine, darunter die Rieder Bürgergarde und der Rainerbund hatten sich eingefunden. Erster Fähnrich wurde Karl Konrad, der es bis zu seinem Tode 1978 blieb. Sein Nachfolger ist Martin Boindecker, Dirchbauer in Mittermoos. Auch die Patenschaftsortsgruppe RegensburgKonradsiedlung war gekommen.
1958 fuhren KOV und Musikkapelle zum Gegenbesuch nach Regensburg, um an der Fahnenweihe des Patenschaftsvereines teilzunehmen. Wertvolle Fahnenbänder wurden ausgetauscht. Überhaupt waren in den folgenden Jahren viele Gegenbesuche bei KOV-Ortsgruppen in der Umgebung zu machen.
1962 wurde durch die Neugestaltung des Ortskernes eine Verlegung des Kriegerdenkmals, das bisher vor der Schule gestanden war, notwendig. In Zusammenarbeit mit Gemeinde und Pfarre gelang es, den heutigen sehr passenden Platz für das Ehrenmal von der Familie Bauböck zu bekommen. Am 25. und 26. Mai 1963 fand das Weihefest des neu errichteten und ergänzten Kriegerdenkmals statt, bei dem erstmals die über Initiative des KOV neuangeschaffte Ortsbeflaggung das schöne Gurten zierte. Am Vorabend gestaltete man eine Heimkehrermaiandacht, daran anschließend die Kriegerehrung mit Fackelzug und einen Kameradschaftsabend. 33 Vereine nahmen mit 28 Fahnen an der Denkmalenthüllung teil.
1964 wird Frau Schulrat Kriegisch Obfrau und bleibt es bis zu ihrem Tod 1982.
1965 veranstaltet der KOV den ersten Kinderfaschingszug mit anschließendem Kindermaskenball im Gasthaus Ebetshuber. Der Kinderfasching ist heute aus Gurten nicht mehr wegzudenken.
1967 unterstützt der KOV das Bezirksmusikfest in Gurten organisatorisch und 1977 konnte das 30jährige Gründungsfest gefeiert werden.
Die traditionellen Ausrücktermine des KOV sind die Kriegerehrung am Seelensonntag, die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession und beim Erntedankfest. In der ersten Hälfte seines Bestehens hatte der KOV mehr sozialkaritativen Charakter, der sich durch Muttertagssammlungen, Erholungs- und Kinderferienaufenthalte, Kleideraktionen sowie durch Erholungs- und Kuraufenthalte für Kriegsversehrte und deren Angehörige zeigte. Heute, da die Zeit die Wunden des Krieges mehr und mehr geheilt hat, sieht der KOV seine Aufgabe im Gedenken an die gefallenen Kameraden und besonders in der Pflege der Kameradschaft und in der Mitwirkung im Leben des Ortes.
1982 wird nach dem Tod von Frau Schulrat Kriegisch Katharina Konrad in diese Funktion gewählt.
1982 konnte August Schachinger nach 25 Jahren Obmanntätigkeit höchste Auszeichnungen des Vereines entgegennehmen.
1985 wurde das Kriegerdenkmal mit Sträuchern und Bäumen neu bepflanzt.
1986 wurden anläßlich des Jubiläumsjahres sehr viele Kameradinnen und Kameraden für ihre Treue ausgezeichnet.
EHRENMITGLIEDER DES KOV:
Josef Ebetshuber sen., ehemaliger Vereinswirt
ÖR Johann Burgstaller, Altbürgermeister
Franz Koch, Amtsrat der Post
Rupert Wimmer, Freiling
KOV-Ortsgruppe Gurten 1986. - Von links nach rechts:
1. Reihe: Felix Gaisböck, Obfrau Katharina Konrad, Maria Lengauer, Maria Mayr, Maria Stranzinger, Helene Koch, Maria Hamminger, Josef Ebetshuber, Obmann August Schachinger, Altbürgermeister Johann Burgstaller, Konrad Gander, Rudolf Mayr, Franz Lengauer.
2. Reihe: Engelbert Streif Franz Doringer, Max Wiesinger, Ernst Stelzhammer, Alois Manzeneder, Rudolf Stanek, Rudolf Schneebauer, Franz Konrad, Alois Niklas, Herbert Daxberger, Franz Gadermaier, Karl Koch, Friedrich Gallhammer, Franz Schönauer, Martin Haslberger, Martin Boindecker, Friedrich Mayrleitner, Gottfried Frauscher, Georg Schmiedhamer, Max Zechmeister, Ferdinand Weiermann, Josef Mayrleitner, Mathias Hainzl.
3. Reihe: Alois Reischauer, Franz Schaubeder, Johann Gurtner, Alois Kobler, Martin Murauer, Karl Rinner, Rudolf Schmid, Rudolf Steinhögl, Josef Weinberger, Ludwig Ebetshuber, Johann Wallerstorfer, Max Wenger, Franz Reiter, Georg Hofbauer.
1963 wurde das Kriegerdenkmal auf dem Platz neben dem Bauböcksaal neu errichtet.