Spuren aus dem Früh-Mittelalter (500-900)
In die Zeit des 8. Jahrhunderts fällt nun auch die erste urkundliche Erwähnung Gurtens. Konrad Meindl schreibt:
"Zu den ältesten Gütern des Hochstiftes Passau im mittleren Innkreise zählte Curtina (Gurten). 786 schenkte der Kleriker ,Gogo' der Kirche des hl. Stephanus und Valentinus zu Passau sein väterliches Erbe mit Grundstücken, Häusern, Gebäuden, Hörigen, Wiesen, Wäldern, Wasserläufen, Mühlen, Bewegliches und Unbewegliches, gelegen am Flusse mit Namen Gurduna." "Nach dem ersten Traditionscodex übergab Lantpald um das Jahr 788 der Kirche des hl. Stephan und Valentin in Passau an dem Orte, welcher Curtuna heißt, mit Feldern, Wiesen, Wäldern, Gewässern, Weiden, Wasserläufen, bebauten und unbebauten Gründen, zwei Hörige, den Hof nebst der Hütte. Seine Söhne sollten frei bleiben, aber dem Gotteshause dienen gegen ihren Unterhalt und das Lesen lernen."
"In dem selben Jahre schenkte Cito für den Fall seines Todes den Ort am Flusse mit Namen Gurduna, was ihm alles sein Vater hinterlassen, mit Feldern, Wiesen, Wäldern, Hörigen, Gewässern, Wasserläufen, Bewegliches und Unbewegliches."
"Die Übergabe der Schenkungen geschah zu Salzburg am herzoglichen Hofe unter Tassilo. Wer diese anzutasten wagte, sollte dem Fiskus mit einem Pfunde Goldes oder fünf Pfunden Silbers verfallen sein. Gurtana wurde späterhin mit dem Zehent von den Bischöfen in Passau dem Domkaeitel daselbst zu Lehen gelassen. Bischof Purchard übergab den Kanonikern das Gut zu vollständigem Eigentum. König Ludwig bestätigte am 12. August 903 diese Eignung. Gurten ist daher eine alte Passauische Stiftung. Wie die Domkirche zu Passau verehrt auch die Pfarrkirche zu Gurten den hl. Stephanus als Patron. Hier bestand bereits um das Jahr 1160 ein Domkapitel'scher Mayr- und Zehenthof." Ende des Zitates. Dies scheint im Urkundenbuch des Landes OÖ. unter Pag. 445, 446, 447 auf.
Solche Schenkungen geschahen in den nachfol;enden Jahrhunderten auch in Mehrnbach, Schillorn, Pramet, Pattigham, Altheim, St. Georgen bei Dbernberg (früher "Luibichinespach"), Obernberg ind Mörschwang. In der ersten Zeit der Errichtung les Bistums Passau herrschte vornehmlich durch lie Wirksamkeit des hl. Bonifatius, der ein fränki;cher Edelmann war, der fränkische Einfluß vor. Dadurch findet sich die auffallende Tatsache, daß iie allerersten von Passau aus gegründeten Kirchen dem fränkischen Heiligen Martin von Tours geweiht wurden, wie z. B. Schildorn, Mehrnbach oder die Martinskirche in Linz, die ja die älteste noch erhaltene Kirche in ganz Österreich aus der Zeit vor 800 ist. Die Domkirche in Passau wurde schon dem hl. Stephanus gewidmet, ist also etwas jünger. An großen Domkirchen hat man in früheren Jahrhunderten oft jahrzehntelang gebaut. Die etwas späteren Passauer Gründungen wurden daher auch Stephanskirchen, in manchen Fällen hingegen Laurenzikirchen, wenn man besonders auf den Zusammenhang mit dem Lorcher Bischofs-sitz hinweisen wollte.
Gurtens Gotteshaus erhielt nun den hl. Stephanus als ersten, und den hl. Laurentius als zweiten Patron. Was läßt sich daraus schließen?
Fürs erste, daß die Kirche von Gurten im Jahre 786 wahrscheinlich erst als Kapelle bestand und die Schenkungen an Passau in diesen Jahren die Gründung einer dauernden Seelsorgestation erst herbeiführen sollten. Vielleicht wurde diese Kapelle von einem Missionskloster excurrierend betreut.
Fürs zweite, daß die Kirche erst im 9. oder 10. Jahrhundert gebaut und geweiht wurde (Stephanskirche). Ein genaues Weihedatum kennen wir nicht, da die Passauer Bischöfe damals noch keine Verzeichnisse über Kirchweihen führten, wie sie es später taten.
Fürs dritte, daß die Kirche in einem Gebiet errichtet wurde, das vor der Völkerwanderung von Römern bewohnt worden war. Daher als zweiter Patron der hl. Laurentius. Dieselbe Annahme trifft noch sicherer für Altheim-St. Laurenz zu.
So entstanden um 800 bis 900 drei nebeneinander liegende Seelsorgesprengel, Pfarren sollte man sie noch nicht nennen, jede mit einem bedeutenden Umkreis. Nach Franz Pfeffer sollen aus dieser "Urpfarre" Gurten neun heutige Pfarren entstanden sein. Sicher ist jedoch, daß Kirchheim bis 1786 und Wippenham bis 1896 zur Pfarre Gurten gehörten.
Erste urkundliche Erwähnunug
Bajuwarische Landnahme
Aus der Zeit zwischen 500 und 650 n. Chr. wissen wir relativ wenig. Es ist die Zeit der Völkerwanderung. Ein römisches Kastell nach dem anderen mit den dazugehörenden zivilen Siedlungen erlag den über die Donau stürmenden Germanenstämmen. Von Norden fielen die Heruler und Rugier ein, von Westen drangen die Alemannen über Inn und schließlich kamen von Osten die Massen der Goten nach. Unsere Heimat erscheint wieder in vorgeschichtliches Dunkel gehüllt. Das ganze Land war wie ein wirres Heerlager, das bei sich ergebender Möglichkeit oder Zwangslage jederzeit bereit sein mußte, weiterwandern zu müssen oder auch weitergeschoben zu werden. Jede Rechtsordnung zerfiel. Es galt allein das Recht des Stärkeren. Die wehrlosen Menschen suchten Verstecke (Erdhöhlen) auf oder legten befestigte Dörfer an. Im Waldesdickicht oder auf Bergeshöhen wurden Fliehburgen bezogen, bis die Gefahr jeweils wieder vorüber war. Denn lange nicht alle Romanen waren nach Italien abgezogen. Unter großen Kümmernissen blieben überall Romanen in beträchtlicher Zahl sitzen. Es waren die ärmeren Volksklassen der Bauern und Handwerker, denen es gleichgültig sein mochte, wessen Untertanen sie waren. So harrten sie auf Ackerböden tapfer aus, die sie zur Not ernährten. Ihre Nachkommen wurden "Walchen" oder "Wälsche" genannt. An sie erinnern Ortsnamen wie Walchshausen, Straßwalchen oder Seewalchen. Die Völkerwanderung dauerte bei uns von 488 bis 520 n. Chr., immerhin ein volles Menschenalter voll Bedrängnis und Entbehrung. Nach 520 brachen die Alemannen nach Westen auf. An ihre Stelle wanderten von Nord-Osten her die Bajuwaren ein, die vorher in den Westkarpathen ihre Wohnsitze hatten.
Die Bajuwaren bestanden in Ihrem Kern aus den Resten der von den Römern einst so gefürchteten Markomannen. Sie mußten nun - im Osten von den Awaren gedrängt - den böhmischen Bereich räumen. Der Name des Bayernvolkes leitet sich von Bajohemum oder Bojohemum = Heim der keltischen Bojer = Böheim = Böhmer her, wo sie durch 500 Jahre ihre Wohnsitze gehabt hatten. Nochmals entwickelte sich ihr Name in Bojovarii = Bajuvari = Baiern weiter. Die Bajuwaren überquerten die südliche Bergumrahmung Böhmens und wanderten etwa in der Ost-West-Ausdehnung zwischen Enns und Lech in das teilweise verlassene und teilweise entvölkerte Land an der Donau ein. Es ist selbstverständlich, dass sie sich zuerst in jenen Landstrichen niederließen, welche zur Römerzeit schon Kulturgebiet waren und das Gepräge der Brauchbarkeit für dauerhafte Besiedlung an sich trugen. Der Umfang der ersten Bajuwarischen Landnahme zeigt sich am besten in der Reihe der alten Ortsnamen auf "-ing". Sie stellen die Ortsnamenform der Sippensiedlung dar und bestehen aus einem heidnischen Personennamen des Ansiedlungsführers beziehungsweise den Sippenältesten mit der Anfügung "-ing". Diese Silbe hat sich wahrscheinlich aus "-eigen" oder "-igen" gebildet.
z.B.: Daro - bei den Daringen - Daring
Pollo - bei den Pollingen - Polling
Muno - bei den Muningen - Mining
Ranzo - bei den Ranzingen - Ranzing

Die Ebenenden Innviertels gehörten wie die Gegend an der Traun zwischen Linz und Wels zu den ersten bayrischen Siedlungsgebieten, z.B. "-ing" - Namen wie Hörsching, Pasching, Leonding etc. Waldgebiete und trockene Aufschüttungsgebiete sowie wiesenreiche, feuche Tallandschaften weisen kaum "-ing" - Namen auf. Diese bevorzugen fruchtwaren Ackerboden und folgen unstreitbar vordeutschen Besiedelungsgebieten. Daher deckt sich der Verbreitungsbereich der "-ing" - Orte größtenteils mit dem Kulturboden der Römerzeit. Bei iherer Einwanderung waren die Bajuwaren nicht mehr gleichberechtigte Bauern, sondern es gab bereits Standesunterschiede. Die Heerführer und Gaufürsten hatten schon reiches Eigentum erworben, und gaben davon an ihr Gefolge in Form von Lehen ab. Wenn auch die Landnahme meist durch Niederlassung einer Sippe erfolgt sein wird, so war diese Form nicht die einzige. Beide Wirtschaftsformen, die grungherrschaftliche und die freibäuerliche, bestanden bei den Germanen nebeneinander.
Ausser den "-ing" - Namen sind für die Besiedelungsgeschichte auch die Ortsnamengruppen auf "-hofen", "-haus", "-heim", "-ham" und "-dorf" von Bedeutung. Die beiden ersteren bezeichnen Einzelsiedlungen oder auch großen Grundbesitz, die "-dorf" - Namen die gleichzeitige Landnahme mehrerer Sippen. Der Charakter der "-heim" - und "-ham" - Namen lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Sie sollen fränkische Herrensiedlungen ein und auf eine fränkische Nachbesiedlung zur Zeit Karls des Großen (um 800) zurückreichen.
Ein bajuwarisches Gehöft:
Die meisten Bajuwaren waren einfache Menschen. Sie lebten vor allem von Ackerbau und Viehzucht. Die Häuser der Bajuwaren waren noch nicht aus Stein gebaut, sondern bestanden aus einem inneren und einem äußeren Holzrahmen.Die Außenwände bildeten Holzbretter oder ein Flechtwerk, das mit Lehm abgedichtet wurde. So schützte das Haus Mensch und Tier vor Wind und Wetter. Im Inneren unterteilten geflochtene Wände das Haus in Räume für Menschen, Tiere und Vorräte. Den Fußboden bildete gestampfter Lehm, das Dach war mit Stroh bedeckt.In der Mitte des Hauses gab es eine offene Feuerstelle. Hier wurde gekocht, und in der kalten Jahreszeit wärmte es die Bewohner.
Kleidung der Bajuwaren:
Ob Bauer, Krieger oder Handwerker - die Tracht der bajuwarischen Männer war sehr ähnlich. Sie trugen eine Leinenhose und darüber ein knielanges Gewand mit Gürtel. An den Füßen hatten sie Lederschuhe oder Stiefel. An ihrem Gürtel hing außerdem noch ein Hiebmesser, der so genannte Sax.
Die Bajuwaren - ein Volk geschickter Handwerker:
Nur sehr geschickte Handwerker können hochwertige Werkzeuge, Waffen und prachtvollen Schmuck herstellen. Besondere Handwerkstechniken der damaligen Zeit waren das Damaszieren, Tauschieren und Punzieren.
Zweite Christianisierung
Die Baiern standen genauso wie die Thüringer in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den mächtigeren Franken Daher entwickelte der hl. Rupert, der einer vornehmen fränkischen Familie wenn nicht gar dem fränkischen Königshause selbst entstammte die erste Missionierung des bairischen Volkes Rupert war bereits Bischof von Worms als ihn der Baiernherzog Theodo und seine Gemahlin Regintrud um 696 nach Regensburg einluden. Der Herzog und seine Umgebung waren zwar schon getauft bedurften aber einer Unterweisung im Glauben Anschließend wurde dem hl. Rupert die Missionierung des ganzen Baiernlandes über tragen Er reiste donauabwärts bis Lorch bei Enns wo er noch eine kleine omanenchristengemeinde vorfand. Dann ließ er sich in Juvavum (Salzburg) nieder und gründete dort zwei Klöster. Die heutige Erzabtei St Peter und das Frauenkloster Nonnberg deren Missionstätigkeit auch in unsere engere Heimat ausstrahlte gehen auf den hl. Rupert zurück. Er holte sich aus Worms Mitbrüder als Helfer und starb dort vermutlich im Jahre 716 Seine Gebeine wurden nach Salzburg überführt und ruhen im Rupertigrab der Erzabtei St. Peter.
Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Gurtens 786 teilte Karl der Große sein Reich zu dem auch das Herzogtum Baiern gehörte in Gaue ein Das heutige Innviertel teilte sich in den Mattiggau (Matahgowe) und den Rotgau benannt nach den Flüssen Mattig und Rott. Das Untere Innviertel von der Gurtenmündung innabwärts gehörte schon zum Rotgau und später zum Landgericht Schärding. Der Mattiggau dehnte sich westwärts von Attergau und Traungau bis an die Flüsse Salzach und Inn. Gurten lag also im Mattiggau und gehörte zum Landgericht Ried, das drei Ämter, das "Landamt", das "Rätenperger (Rothenberger) Amt" und das "Osternacher Amt" zur Verwaltung hatte. Das "Rätenperger Amt" zog sich von Mehrnbach weg am Rothenberg entlang gegen den Inn hin. Die meisten Ortschaften von Gurten und Wippenham gehörten ihm an. Zu dieser politischen Gliederung gesellte sich durch die fortschreitende Glaubensverbreitung ein noch nicht lückenloses Netz von Missionssprengeln.
Die ältesten dieser Sprengel in unserer engeren Heimat sind Altheim, Gurten, Aurolzmünster, Aspach und ganz besonders Münsteuer. Hier bestand ein Missionskloster St. Peter, das von Salzburg aus gegründet worden war und im Gebiet der heutigen Pfarren Münsteuer, Reichersberg, Antiesenhofen, Ort, Lambrechten und St. Martin eine Seelsorge aufgebaut hat. Wahrscheinlich missionierte Münsteuer auch das Gebiet der Altpfarre St. Georgen bei Obernberg, sodaß sich sein Einfluß auch auf Mörschwang, Weilbach, Senftenbach und Kirchdorf am Inn erstreckte. In Aurolzmünster hatte das Kloster Niederalteich (Bayern) um 800 eine Missionszelle, die "Cella Antesna", gegründet. Nach dem Niederalteicher Abt Urolf nannte sie sich "Urolfesmunstiure", worauf der Ortsname Aurolzmünster zurückzuführen ist. Dieses reichlich bevölkerte Kloster trug den christlichen Glauben in die Gegend von Eitzing, Peterskirchen und Utzenaich. Die Klöster Münsteuer und Aurolzmünster wurden durch den Ungarnsturm verlassen oder zerstört. Als 955 die Ungarn auf dem Lechfeld besiegt und nach Osten zurückgedrängt wurden, errichteten die Passauer Bischöfe an beiden Orten Pfarren. Nur die Silbe "-münster" in den Ortsnamen erinnert daran, daß vor mehr als tausend Jahren hier Missionsklöster bestanden.
Um 739 teilte der hl. Bonifatius, der Apostel der Deutschen, das Baiernland in vier Bistümer ein. In Salzburg, Freising (München), Regensburg und Passau wurden Bischofssitze errichtet. Auf Gurten bezogen ist natürlich Passau als unsere Mutterdiözese besonders interessant. Der in Rom von Papst Gregor III geweihte Missionsbischof Vivilo von Lorch erhielt den Auftrag, seinen Sitz in Passau aufzuschlagen. Dadurch fühlte sich die Kirche von Passau als legitime Erbin des schon in der Römerzeit bestehenden Lorcher Bischofssitzes (Lauriacum) und nahm neben dem hl. Valentin auch den Erzmärtyrer Stephanus und den römischen Stadtheiligen Laurentius (gestorben 258 n. Chr.) in die Reihe ihrer Patrone auf. In der ersten großen Begeisterung für die gute Sache der Bistumsgründung wurde zur Belebung des religiösen Lebens manchmal Denkwürdiges veranstaltet. Man erinnerte sich plötzlich wieder, daß schon vor dem Jahre 450 n. Chr. ein heiliger Missionsbischof namens Valentin schnöde abgewiesen wurde, als er in Passau predigen wollte. Valentin zog dann den Inn aufwärts bis nach Tirol und starb 453 in Meran. Herzog Tassilo ließ 764 seine Reliquien nach Passau bringen. Sie wurden allerdings beim Dombrand 1662 ein Raub der Flammen. Valentin ist der erste Patron der Diözese Passau. Eine religiöse Aufbruchsstimmung breitete sich von Passau her aus. Sie veranlaßte zahlreiche Ortsadelige und Freie, Schenkungen von Gütern an das Hochstift Passau zu machen. Sie sollten die Arbeit der Diözese Passau fördern und der Einrichtung von Seelsorgsposten in der Heimat dienen. Diese an das Hochstift "vergabten" Güter hießen "Stephanische Aigen" und wurden vom "Stephanischen Aigneramt" verwaltet, das in Obernberg einen Vorsteher (Propst) hatte. Auf die "Stephanischen Aigen" in Gurten wird später noch zurückzukommen sein.
Hl. Rupert von Salzburg. Dargestellt mit dem Salzfass in der Hand.
Karl der Große, König der Franken 768-814, Kaiser seit 800, bedeutendster christlicher Herrscher des Mittelalters, Sohn von König Pippin (Pippin III., der Jüngere, 714/15-768), Enkel des Hausmeiers Karl Martell (um 688-741), der den Grundstein für den Aufstieg der karolingischen Dynastie und des Frankenreiches legte. Karl begründete durch zahlreiche Eroberungsfeldzüge ein europäisches Großreich. Er prägte die historische Entwicklung Europas auf politischem, kirchlichem und kulturellem Gebiet, förderte Wissenschaft und Kunst ('karolingische Renaissance').
Das bayerische Stammesherzogtum 788 zu dem auch das Innviertel gehörte.
URKUNDE AUS 786

Im Namen Gottes unseres Heilandes Jesu Christi zu den Zeiten des glorreichsten Herzogs Tassilo im 38. Jahre seines Herzogtums übergebe ich, Cogo, alles, was ich in dem Ort mit dem Namen "Curtuna" besessen habe, an die Kirche des heiligen Stephanus und des seligen heiligen Valentin in der Stadt Passau, damit es dort fest und beständig sei.
Wenn aber irgend eine gegnerische Person oder ich, was ich nicht glaube, daß es geschieht, oder irgendwer von den Erben dieses wieder rückgängig machen wollte, der soll dem Zorn des allmächtigen Gottes verfallen und Gemeinschaft haben mit Judas, dem Verräter, und Streit mit dem allerseligsten heiligen Stephanus, und diese Urkunde soll nichtsdestoweniger aufrecht bleiben.
Und folgende sind die Zeugen: Rodhart, Zeuge; Heriman, Zeuge; Erchanperht, Zeuge; Madalker, Zeuge; Angilperht, Zeuge; Sundarheri, Priester; Sechs Rinder, 30 Schweine, 30 Schafe, 13 Hörige, 10 Ziegen.

OÖ. Urkundenbuch I/444/XII.
URKUNDE AUS 788

Nichts haben wir nämlich, wie der Apostel sagt, auf diese Welt mitgebracht, und nichts können wir aus ihr fortnehmen, außer was wir offensichtlich zum Heil der Seele den Stätten der Heiligen und zur Unterstützung der Armen gaben. Daher übergebe ich, der Kleriker Gogo, aus Sorge um das zukünftige Leben und die ewigen Güter der Vergeltung, zur Verminderung meiner Sündenlast an die Kirche, die zu Ehren des Erzmartyrers Stephanus in der Stadt Passau erbaut ist, wo die zwei Flüsse in eins zusammenfließen, wo der verehrungswürdige Mann Bischof Waldrich den Bischofssitz innehat, und ich will, daß auf ewig übergeben sei, was mir mein Vater auf dem Sterbebett hinterlassen hat. Es besteht aus Ländereien, Häusern, Gebäuden, Grundhörigen, Wiesen, Wäldern, stehenden und fließenden Gewässern, Mühlen, beweglichem und unbeweglichem Gut, was alles neben dem Fluß mit dem Namen "Gurduna" liegt, damit der genannte Bischof oder seine bischöflichen Nachfolger daraus was immer zu machen beschließen zum Nutzen der vor-genannten Domkirche.

DO. Urkundenbuch I/446/XV (gekürzt).