Gurten in der Zeit des 2. Weltkrieges
Es ist unmöglich, hier die genauen Gründe für den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich im einzelnen anzuführen, da dies den Rahmen dieser Seite sprengen würde. Am 13. März 1938 war es soweit. Hitler marschierte in Österreich ein. Pfarrer Dietrich saß mit einem Kapuzinerpater allein in der Kirche und hatte keine Beichtleute zur Osterbeichte. Er berichtet in der Pfarrchronik: "Auf einmal hörten wir Motorensausen und Autos fahren in großer Zahl. Es war die Deutsche Wehrmacht, die in Richtung Wien durchzog. Es waren alle möglichen Truppengattungen dabei, Infanterie, Pioniere, Artillerie. Der Hof des Pfarrhofes wurde von einer Beobachtungstruppe als Nächtigungsraum benützt. Ein preußischer Hauptmann und zwei Leutnants wohnten im Pfarrhof. Die anderen 130 Mann nächtigten in der Scheune und im Stall. Die Soldaten wurden bewirtet und von den Hausleuten wurde niemand auch nur durch ein Wort belästigt. Am 14. 3. zogen die Truppen in Richtung Wien ab." Pfarrer Dietrich fragte den Leutnant, welchen Befehl sie hätten. Die Antwort lautete: "Wir haben Befehl, auf keinen Österreicher zu schießen, wo wir aber auf Widerstand stoßen sollten, alles kurz und klein zu hauen."
DAS JAHR 1938
Gewaltsamer Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, 12. 3. 1938
Gurten glich an jenem 13. März 1938 einem Heerlager. Viele Leute waren vor Freude außer Rand und Band, andere zeigten der Entwicklung gegenüber stoische Ruhe. Von vielen hatte man gewußt, daß sie längst der NSDAP angehörten. Diese machten nun kein Hehl mehr daraus, andere wieder wechselten ihre Gesinnung und Überzeugung über Nacht. Da in Gurten die "Vaterländische Front" nie mit Anzeigen gegen Anhänger der damals in Österreich verbotenen NS-Partei vorgegangen war, kam es nach dem Einmarsch auch zu keinem Vorgehen gegen frühere Frontmitglieder. Der Obmann der NSDAP, der Schuhmachermeister Karl Leiner, stellte sich bei Pfarrer Dietrich als neuer Bürgermeister vor und sicherte ihm Schutz gegen eventuelle Übergriffe Jugendlicher zu. Leiner führte das Bürgermeisteramt nur einige Monate und wurde im Sommer 1938 von Franz Dachs, Erlinger in Dorf 8, abgelöst.
Bald regnete es Verordnungen in großer Zahl. Bei vielen Anlässen waren die Hakenkreuzfahnen zu hissen und bei Ämtern und Schulen wurde der "Deutsche Gruß" (Heil Hitler) obligat. Die standesamtliche Ehe wurde vor der kirchlichen Trauung verpflichtend und die Gemeinden hatten in den neugeschaffenen Standesämtern staatliche Matrikeln (Geburts-, Trauungs- und Sterbebücher) zu führen.
Vor 1938 wurden Matrikeln nur in den Pfarrämtern geführt. Nun waren auf einmal zahllose sogenannte "Arier-Nachweise" auszustellen, die dem Inhaber bestätigten, nicht von jüdischen Vorfahren abzustammen. Pfarrer Dietrich arbeitete oft bis tief in die Nacht hinein und suchte in den alten Matrikeln, um diese Ausweise ausfüllen zu können. Doch herrschte 1938 irgendwie das beruhigende Gefühl, daß der Führer keinen Krieg wolle. Leider hatte man sich hier getäuscht. Im Herbst 1938 mußten zwar viele Soldaten einrücken, kamen aber nach einigen Wochen wieder zurück.
Beginn des 2. Weltkrieges
Bald nachdem am 1. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen hatte, kamen die ersten Polenflüchtlinge ins Land. Den öffentlichen Gottesdienst zu besuchen, wurde ihnen nicht erlaubt. Die Einflüge, die Frankreich gegen Deutschland unternahm, machte eine Aktion, Frauen und Kinder ins Hinterland zu schicken, notwendig. Im Zuge dieser Aktion kamen 120 Karlsruher nach Gurten. Sie blieben vom Oktober 1939 bis Weihnachten. Manchen von diesen Umsiedlern gefiel in unseren Bauernhäusern nur das Essen, wohnen wollten sie alle in der Hofmark.
In den Jahren 1939 und 1940 erhielten die Waldbesitzer von der Gemeinde umfangreiche Schlägerungsaufträge. Allein im Pfarrerwald mußten 110 Festmeter Holz geschlagen werden. "Gott sei Dank," schreibt Pfarrer Dietrich, "ist diese Menge durch den vorhergegangenen Schneedruck gedeckt". 1940 kamen die ersten Todesnachrichten über Gefallene in die Häuser. Es waren Richard Moser, Josef Maier und Friedrich Spießberger, die aus dem Frankreichfeldzug nicht mehr zurückkehrten. Für die eingerückten Väter und Söhne wurden den Bauern nun französische Kriegsgefangene zur Arbeit zugeteilt. Fünf von ihnen gingen mit der Dreschmaschine, und mit ihrer Arbeitsleistung war man sehr zufrieden. Seit Kriegsbeginn war wegen der englischen Fliegerangriffe strenge Verdunkelung der Fenster vorgeschrieben, aber nur einmal kamen englische Flugzeuge bis Ranshofen. 1940 konnten eine Reihe Berliner und Hamburger Kinder durch die Aktion "Kinder aufs Land" in Gurten einen mehrmonatigen Urlaubsaufenthalt genießen und sahen bald prächtig aus. 1942 kamen Flüchtlinge aus den bombengefährdeten Gebieten Deutschlands, vor allem aus dem Rheinland, und wurden in vielen Häusern einquartiert. Manche waren freundlich und nett, manche arrogant.
1943 war ein sehr gutes Erntejahr. Pfarrer Dietrich schreibt: "Es mußte zwar sehr viel abgeliefert werden, aber jeder fand das Auskommen mit dem, was ihm noch blieb. Von staatswegen war die Lebensmittelrationierung so weise ausgedacht, daß auch die Ärmsten ein Auskommen hatten. Erste Hamsterer treten auf."
1944 reichen die englischen und amerikanischen Luftangriffe schon bis Wels, Linz und nach Niederdonau, wie Niederösterreich damals hieß. Im ganzen Land werden Maßnahmen getroffen und Ratschläge gegeben, um bei Angriffen gerüstet zu sein. In den Häusern und auch in der Kirche mußten Säcke und Kisten mit Sand immer bereitstehen. Alarm konnte nicht gegeben werden, da die Glocken schon 1942 abgenommen wurden. Gasmasken bestellte man bei der Gemeinde. Obwohl die Deutsche Wehrmacht von Westen, Süden und Osten in die Zange genommen und immer mehr zurückgedrängt wurde, täuschte Göbbels das Volk durch das Trommelfeuer seiner Propaganda. Das Hören ausländischer Sender war lebensgefährlich, doch ahnte bereits jeder nüchtern Überlegende den bevorstehenden Zusammenbruch. Obwohl die Fronten unaufhaltsam näherrückten, gab man im Hinterland Durchhalteparolen aus, wie "Jedes Dorf, jede Stadt eine Festung". Alle noch irgendwie wehrfähigen Männer hatten zum Volkssturm einzurücken und mußten in Niederösterreich Dienst leisten.
Im Frühjahr 1945 wurden auch in Gurten Panzersperren errichtet. Ihr Wert war wohl mehr propagandistischer als strategischer Art. Eine Sperre wurde beim Rinnerhaus, die andere bei der Pfarrhofscheune an der Straße zum Bahnhof erbaut. Durch in die Erde gerammte Bloche wurde die Straße verengt, aber für schmale Fuhrwerke offengehalten. Dahinter wurde die Böschung aufgegraben und ein Laufgraben angelegt. Hier sollte im Ernstfall ein Schütze mit einer Panzerfaust den anrollenden Feindpanzer vernichten.
Im Zuge der Vorbereitungen kam es im April 1945 zu einem folgenschweren Unfall mit einer Panzerfaust, bei dem der Gemeindeschreiber Hermann Staufer auf tragische Weise ums Leben kam. Doch der Bau der Panzersperren ging weiter. Im selben Monat zogen ungeheure Menschenmassen durch Gurten. Ungarn kamen per Bahn und wurden nicht mehr weitertransportiert. Einige Wochen später kamen Tausende Ungarn mit Roß und Wagen. Sie waren auf der Flucht vor den Russen. Oft stauten sich die Wagen, die zu Hunderten durch das Dorf fuhren. Mitte April 1945 zogen unübersehbare Scharen von Kriegsgefangenen durch. Insgesamt sollen es 5000 bis 6000 gewesen sein, bald gefangene amerikanische Fallschirmjäger, dann wieder Franzosen, Serben und Russen. Alle litten entsetzlichen Hunger. Sie wurden nach Ranshofen und in den Weilhartsforst getrieben. Das stille Dorf Gurten wurde zu einem Heerlager, wenn diese endlosen Kolonnen auf dem Wiesengrund lagerten, wenn Franzosen und Engländer ihre Konserven auf dem offenen Feuer wärmten oder wenn Russen sich vor Hunger Grasbüschel abrissen. Pfarrer Dietrich beobachtete öfters die Kriegsgefangenen, wenn sie die Panzersperren passierten. Ein gefangener Amerikaner sagte einmal auf deutsch: "Geht heim, legt euch nieder, das ist viel vernünftiger!" Tage in banger Sorge vergingen, und die äußere Spannung war auf den Höhepunkt gestiegen. In den ersten Maiandachten beteten die Menschen inbrünstig um Frieden. Schon ging das Gerücht um, daß die Amerikaner den Inn überschritten hätten. Die Panzersperren mußten geschlossen und besetzt werden.
Am 3. Mai 1945 kam von der Kreisleitung Ried dreimal der Befehl, die Panzersperren zu schließen. Pfarrer Dietrich fürchtete um den Pfarrhof und die 30 Flüchtlinge, die bei ihm Unterschlupf gefunden hatten. Er sprach auch der Gendarmerie gegenüber seine Befürchtungen aus, und man sicherte ihm zu, die Sperren nicht zu schließen, außer es käme eine Kontrolle von seiten der SS. Bürgermeister Franz Dachs befahl, obwohl er jahrelang überzeugter Nationalsozialist gewesen war, die Panzersperren nicht zu schließen. Er setzte damit freilich sein Leben höchster Gefahr aus, denn wenn die fanatische SS-Streife, die am selben Tag den Reichersberger Chorherrn Rupert Haginger wegen Hissens einer weißen Fahne erschoß, auch nach Gurten gekommen wäre, wäre Dachs sicherlich sofort erschossen worden. Im Pfarrhof herrschte aufgeregtes Leben und Treiben. Die Franzosen des Hauptlagers Pfarrhof hatten sich eine große französische Fahne, eine Trikolore, angefertigt und standen schon stundenlang bereit, die einrückenden Befreier am Straßenrand zu begrüßen. Zwischen 16 und 17 Uhr Sommerzeit kamen endlich die ersten Amerikaner. Autos mit großen, schweren Geschützen (vermutlich Panzerspähwagen) fuhren durch, Fußtruppen folgten auf Lastwagen und fanden in Gurten - Gott sei Dank - keinen Widerstand. Die deutschen Flüchtlinge verhielten sich schweigsam, die Franzosen jubelten laut. Nach etwa einer halben Stunde war der Durchzug vorüber, von den meisten Häusern wehten weiße Fahnen. Doch kurze Zeit später kamen viele Militärfahrzeuge wieder aus Ried zurück. Hundert Amerikaner nächtigten hier. Die meisten Häuser an der Straße mußten binnen 10 Minuten geräumt sein, Kästen und Schränke waren unversperrt zu lassen. Von der Einquartierung blieben nur das Schulhaus, der Pfarrhof und das Bauböckhaus verschont. Die Schule war Flüchtlingslager, bei Bauböck wohnten gefangene Engländer (ein gewisser Mr. Reginald Smith kam um 1965 wiederum zu Besuch nach Gurten und dankte Frau Bauböck sen. für die damalige gute Aufnahme) und auch der Pfarrhof war mit Flüchtlingen voll besetzt.
Am 4. Mai tauchten vier mit dunkelhäutigen Personen besetzte Panzer auf und bezogen in der Nähe der Kirche Posten. Die kriegsgefangenen Franzosen wurden von ihnen bewaffnet und machten eine Art Ordnungsdienst. Der mit drei Mann besetzte Gendarmerieposten war von den Amerikanern gefangengenommen worden, wurde nach einigen Stunden allerdings entwaffnet wieder auf freien Fuß gesetzt. Aber schon nach wenigen Tagen rüsteten alle Franzosen, die durch drei Jahre treue, fleißige und ehrliche Helfer in der Landwirtschaft gewesen waren, zur Heimreise und verließen Gurten am 10. Mai 1945. Die Kapitulation Hitlerdeutschlands erfolgte am 8. Mai. Wie von einem Alpdruck befreit atmeten die Menschen auf, als Nazidiktatur und Krieg vorüber waren. Die verschiedenen Gau- und Kreisleiter hatten noch ihre Befehle zur Verteidigung der Städte ausgegeben und - flohen dann.
In Ried kam es beim Einmarsch der Amerikaner im Bereich der Kaserne zu einem schweren Gefecht, das mehr als 70 Tote forderte, davon 16 Amerikaner. SS hielt sich noch einige Wochen im Kobernaußerwald auf und ergab sich nach und nach. Die Amerikaner richteten in den größeren Orten und Städten riesige Lager ein, in welchen die Soldaten der sich auflösenden Deutschen Wehrmacht Aufnahme fanden. Da diese Soldaten nicht als Kriegsgefangene, sondern als aus dem deutschen Heer Entlassene betrachtet wurden, erhielten sie von den Amerikanern keine Verpflegung, dafür mußte die Umgebung aufkommen. Gurten mußte ins Lager Ried Lebensmittel liefern, wo 36.000 Gefangene interniert waren. Die oft erst nach Wochen Entlassenen machten sich zu Fuß auf den Weg in ihre Heimat. Es war ein fortwährendes Wandern auf den Straßen. Scheu schlichen sie an den Waldrändern dahin und baten bei den Bauern um Milch und Brot und ein Nachtlager. Jeder hatte Mitleid mit diesen Armen, dachte man doch auch an eigene Angehörige, denen es in der Fremde wohl ebenso ergehen mochte. Im September waren von den Gurtner eingerückten Soldaten noch immer 70 nicht heimgekehrt.
Bürgermeister Franz Dachs wurde von den Amerikanern abgesetzt und Martin Neulentner, Staller in Schmalzberg, von Bezirksvertrauensmann Meier zum Bürgermeister gemacht. Meier hatte das Vertrauen der Amerikaner und bekleidete die Funktion eines provisorischen Bezirkshauptmannes. Selbstverständlich waren alle Waffen abzuliefern.
Die Landbevölkerung unserer Gegend hatte manches von seiten jener Russen zu erleiden, die als Kriegsgefangene bei Bauern arbeiten mußten. Als das Land erobert war, fühlten sie sich als die Herren, überfielen Bauernhäuser, hielten den Bewohnern Revolver vor (welche sie von den Amerikanern erhalten hatten) und verlangten hauptsächlich Schnaps und Kleidung. Mitte Juni schob man sie ab. Zur selben Zeit wurden unwahrscheinlich viele Fahrräder gestohlen. Radfahrer wurden einfach von ihren Rädern gestoßen und mußten per pedes weiterziehen. Auch manche hier in Arbeit stehende Polen machten mit diesen Russen oft gemeinsame Sache. Auch die Ungarn, die in einem abgestellten Zug auf dem Bahnhof wohnten, waren eine Landplage.
Ende November 1945 setzte eine große Lauferei ein, als die Reichsmark wieder in Schilling umgewechselt werden mußte. Vorerst erhielt jede Person nur 150 Schilling in bar, alles übrige wurde auf ein Konto hinterlegt. Nur Leute, die keine Bezüge hatten, durften von dieser Sperrsumme monatlich einen Betrag abheben. Alles andere blieb gesperrt.
Doch ging es mit Österreich wieder aufwärts. Das beste Zeichen dafür waren die ersten freien Nationalratswahlen im November, aus der eine große Koalitionsregierung unter Ing. Leopold Figl hervorging. Um den Schrecken einer galoppierenden Inflation wie nach dem 1. Weltkrieg zu entgehen, erließ die Regierung am 9. Dezember 1945 das sogenannte "Währungsschutzgesetz", dessen Stichtag der 12. November war. Gelder, die vorher auf Konten lagen, wurden im Verhältnis 3:1 in Schilling gutgeschrieben, Beträge, die nach dem 12. November eingelegt wurden, im Verhältnis 1:1 umgetauscht. Wie nach jedem Krieg, so kamen auch diesmal jene Sparer zum Handkuß, die ihre Ersparnisse nicht in Realwerten anlegen konnten, wenn auch nicht in dem Maße wie nach dem 1. Weltkrieg.
Flüchtlinge kommen nach Gurten
Durch seine Lage an der Bahn gehörte Gurten in den Kriegszeiten immer zu den ersten Gemeinden, die sich vor die Lage gestellt sahen, oft eine große Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen zu müssen.
Im Juni 1918 wurden jüdische Flüchtlinge aus der Bukowina in Gurten einquartiert, die zwei Jahre lang blieben. Sie waren jedoch nicht arm, da der Staat durch Unterstützungsbeiträge für sie sorgte. Sparsame konnten sich sogar manches zur Seite legen, was bei vielen unserer Leute böses Blut machte.
Im Herbst 1944 kamen Scharen von Banat-Deutschen aus der Gegend von Ruma, Esseg und Neupasua an. Sie waren auf der Flucht vor den Russen und die Nationalsozialisten hatten ihnen in Deutschland viel versprochen. Die meisten, der evangelischen Religion zugehörig, hatten auch einen Pastor mit, der öfter im Bauböcksaal Gottesdienst hielt. Sie trafen mit Roß und Wagen ein und hatten durchwegs Vorräte mit. Meist wurden sie in Bauernhäusern einquartiert, wo sie dann mitarbeiteten.
Im Jänner 1945 kamen Scharen von Schlesiern nach Gurten. Sie wurden in der Schule untergebracht, die als Flüchtlingslager eingerichtet war. Als dann wieder neue Flüchtlinge nachströmten, teilte man sie auf die Häuser auf. Einige Wochen später kamen Flüchtlinge aus Ostpreußen mit Sack und Pack. Auch diese wurden zunächst in der Schule untergebracht und dann wieder auf die Häuser aufgeteilt. Die Front rückte immer näher, daher verkürzten sich auch die Fluchtwege. Die Niederösterreicher, die am 15. April eintrafen, quartierte man auf dem Heuboden des Pfarrhofes notdürftig ein. Am 27. April brachte Bürgermeister Dachs 25 Personen aus der Gegend von Preßburg. Sie fanden ein Notquartier in der Pfarrhofscheune. Später wurde noch der Getreideschüttboden des Pfarrhofes in ein Lager umgewandelt und ein Ofen aufgestellt. Betten wurden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Am 1. Juli 1945 vermerkt Pfarrer Dietrich in der Pfarrchronik: "Mit heutigem Tag sind noch 30 Flüchtlinge im Pfarrhof. Sie haben alle Hunger. Der Pfarrhof gibt, was er geben kann. Wir alle sind froh, daß unsere Gegend von den Amerikanern besetzt ist und nicht von den Russen." Der Winter 1945/46 gestaltete sich, Gott sei Dank, sehr milde, sodaß die Flüchtlinge nicht allzusehr. frieren mußten. Die meisten Flüchtlinge verließen nach kürzerer oder längerer Zeit Gurten wieder. Eine größere Anzahl von Familien aus der Gegend von Ruma blieb aber in Gurten. Durch Tüchtigkeit und Fleiß erwarben sie sich eine geachtete Stellung unter den Einheimischen und die zweite Generation ist heute in Gurten voll in Gemeinde und Pfarre integriert.
1940 Mayr Josef Frankreich
Moser Richard Frankreich
Spiesberger Fritz Frankreich
Gefallene und Vermißte 2.Weltkrieg 1939 bis 1945
1941 Bauböck Karl Rußland
Mair Alois Breslau
Maier Max Rußland
Nöbauer Alois Rußland
Scharf Karl Rußland
Schaubeder Josef Rußland
Stelzhammer Ludwig Riga
Stranzinger Stefan Rußland
Weinberger Franz Rußland
Wenger Josef Serbien
1942 Berberschlager Franz Rußland
Ebner Leopold Rußland
Hofbauer Karl Rußland
Hofbauer Leopold Rußland
Kreuzhuber Hubert Rußland
Penninger Josef Weimar
Ramberger Otto Rußland
Rinner Johann Rußland
Rothmaier Martin Rußland
Weinberger Max Rußland
1943 Auzinger Johann Rußland
Klingersberger Johann Rußland
Murauer Johann Estland
Ortbauer Karl Albanien
Rachbauer Johann Rußland
Stelzhammer Josef Rußland
Strobl Gottfried Rußland
Waslmaier Johann Rußland
Weinberger Johann Rußland
Wimmer Josef Rußland
Wimmer Kaspar Rußland
1944 Egger Hans Frankreich
Hainzl Hans und Karl Rußland
Hamminger Alfred Rußland
Kirchsteiger Georg Rußland
Lobmaier Sebastian Rußland
Mayr Friedrich Rußland
Weiermann Johann Finnland
1945 Königshofer Leopold Rußland
Kobler Raimund Rußland
Krebs Franz Berlin
Maier Richard Westfalen
Stranzinger Franz Linz
Weinberger Anton Gröningen
Weinberger Johann Prag
Wagenleitner Rudolf Marseille
VERMISSTE:
Auleitner Alois
Detzlhofer Peter
Fuchs Alois
Gadermaier Max
Glechner Johann
Hager Rudolf
Hörndlinger Alois
Hofbauer Johann
Ortmaier Rudolf
Peruth Vinzenz
Pumberger Georg
Schindlmaier Karl
Schmierer Georg
Schuhmacher Jakob
Simmetsberger Rudolf
Staufer Franz
Steinhögl Fritz
Stelzhammer Alois
Stelzhammer Peter
Weinberger Max
Weiß Eberhard
Weiß Wolfgang
Wintersteiger Josef
Zechmeister Gottfried