frühes 20. Jahrhundert
Das Gemeindeamt Gurten war von 1898 bis 1957 im Haus Gurten 28 untergebracht. Von 1957 bis 1966 amtierte man im Haus der Raiffeisenkasse Gurten 63 und 1966 konnte das heutige Gemeindeamt auf dem neuen Ortsplatz bezogen werden. In den Jahren nach dem 1. Weltkrieg war das Bürgermeisteramt wahrlich kein Honiglecken. In den Städten herrschte Hungersnot und die Landgemeinden hatten alle nur möglichen Vorräte abzuliefern. Dazu kamen die Geldentwertung und ein großer Bargeldmangel. Durch den Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit ihrer stabilen Goldkronenwährung war das österreichische Finanzwesen total zerrüttet worden. Gleich den meisten Gemeinden hat auch Gurten zur Linderung der Geldknappheit ein Notgeld herausgegeben. 1920/21 kamen Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Heller-Scheine in den örtlichen Umlauf. Eine dauernde Besserung der Geldknappheit brachte aber auch das Notgeld nicht, da es nur im Gemeindegebiet Geltung hatte und bald von Sammlern in Alben in der Art von Briefmarken gesammelt wurde. Die Gemeindechronik vermerkt am 3. Februar 1921: "Das Bürgermeisteramt ist derzeit mit Sorge und Verdruß derartig gesegnet, daß sich Bürgermeister Johann Dachs, Erlinger in Dorf 8, entschloß, diese Bürde niederzulegen." Sein Nachfolger Ferdinand Schönauer, Barthlwastl in Baumgarten, erkrankte und trat bereits nach 8 Monaten wieder zurück. Vom Oktober 1921 bis 1924 stand Martin Neulentner, Stadler in Schmalzberg, der Gemeinde als Bürgermeister vor. Durch die wirtschaftlich schlechten Zeiten bedingt, gab es häufig Einbrüche und Lebensmitteldiebstähle sowie zahlreiche kleinere Delikte.
Als im Jahre 1931 die Arbeitslosigkeit in Österreich mit 500.000 Arbeitssuchenden ihren Höhepunkt erreichte, gingen Pfarrer Dietrich und die Gemeinderatsmitglieder von Haus zu Haus, um Geld und Naturalien für die Opfer der Arbeitslosigkeit zu sammeln. Das Ergebnis war 31 Zentner Weizen, 8 Zentner Korn, 19 Zentner Erdäpfel, 98 kg Äpfel, 7 m3 Holz und 300 "Alpendollars", wie der seit 1925 eingeführte Schilling im Scherz genannt wurde. Den Kaufwert eines Schillings der 1. Republik kann man mit 20 heutigen Schilling vergleichen. Das Sammelergebnis von Gurten kam den Glasarbeitern von Schneegattern zugute. Auch in den folgenden Jahren wurde jedes Jahr eine Sammlung für eine Winterhilfe arbeitsloser Familien gestartet. Weiters gingen viele Arme von Haus zu Haus, bettelten um Brot und manche Bäuerin gab täglich viele Male einen Scherz Brot durch das kleine "Bettelleutfenster" hinaus. Dies war ein kleiner Fensterflügel, der meist im Küchenfenster eingelassen war.
Im Oktober 1932 wurde an das Land Oberösterreich der Antrag gestellt, daß die Straße von Ornading über Gurten nach Weilbach und St. Martin von der Landesstraßenverwaltung übernommen werden sollte. Das Land übernahm die Straße, die Gemeinde mußte allerdings jährlich 400 Schilling zu ihrer Erhaltung beisteuern. Dieser Betrag konnte durch Schotterlieferungen abgelöst werden. Da die Straße nun auf 5 Meter Fahrbahnbreite und 1,2 Meter für Straßengräben ausgebaut wurde, hatte die Gemeinde auch die Grundablösungen zu tragen, bekam aber dafür eine wesentlich bessere Straße.
1936 hatten sich anläßlich der Einführung des österreichischen Bundesheeres 8 Stellungspflichtige der Musterung zu unterziehen. Im Gegensatz zum reinen Militärdienst vor 1918 hieß der Wehrdienst jetzt Bundesdienstpflicht, da man sowohl zum Dienst mit als auch ohne Waffe tauglich befunden werden konnte.
Nachdem im Deutschen Reich Adolf Hitler 1933 mit seiner NSDAP die Macht übernommen hatte, bildeten sich auch in Österreich aus Sympathisanten NSDAP-Gruppen. Durch eine solche Gruppe wurde im Frühjahr 1933 im Gasthaus Lang in Kraxenberg eine illegale Hausdurchsuchung vorgenommen, an welcher auch drei Burschen aus der Gemeinde Gurten teilnahmen. Diese wurden gerichtlich eingezogen und waren vier Wochen in Untersuchungshaft. Ihretwegen kam es im Gemeindeamt Gurten zu einer Kampfabstimmung. Diese kleine Episode zeigt, wie der Nationalsozialismus durch eine gezielte Untergrundarbeit eine Machtübernahme auch in Österreich anstrebte. Die Anschläge, Überfälle und Attentate der Nationalsozialisten führten vorläufig zum Verbot dieser Partei durch die österreichische Bundesregierung. Sie erhielt im Untergrund aber immer mehr Zulauf.
Notgeld von 1920/21 mit folgender Aufschrift: "Gutschein der Gemeinde Gurten O.Oe."
"Die Gemeindevorstehung v. Gurten hat in ihrer Sitzung v. 10. Juni 1920 beschlossen, Notgeld auszugeben u. haftet dafür mit ihrem ganzen aktiven Vermögen. Der Bürgermeister: Johann Dachs, Der Stellvertreter Johann Burgstaller"
Nach dem Ende des grauenvollen 1. Weltkrieges im Jahre 1918 waren alle Gurtner entschlossen, ihre Gefallenen nicht zu vergessen, sondern durch ein würdiges Denkmal das Andenken an ihr einsames Sterben in Fremde und Verlassenheit in der Heimat lebendig zu erhalten. Doch zogen sich die Verhandlungen über ein Kriegerdenkmal in die Länge. Da entschloß sich Pfarrer Hager zur Überraschung der Pfarrgemeinde, auf eigene Kosten ein einfaches Denkmal in Form einer Gedenktafel in der Kirche anzubringen. Es wurde am Allerheiligentag 1922 nach der Totenpredigt enthüllt und gesegnet. Die Tafel galt auch als Anerkennung für die Opferwilligkeit aller Gutgesinnten anläßlich der Renovierung des Hochaltares und des Tabernakels. Seit der letzten Kirchenausmalung 1983 befindet sich die Gedenktafel im Ölberg rechts vom Hauptportal gegenüber der Ölberggruppe, wo sie in Verbindung mit dem Gedenken an die Todesangst Christi einen äußerst sinnreichen Platz gefunden hat.
Schon ein Jahr darauf, 1923, wurde das Kriegerdenkmal der Gemeinde vor dem alten Schulhaus errichtet, feierlich enthüllt und gesegnet. Besondere Verdienste erwarb sich um seine Schaffung der damalige Landesproduktenhändler und spätere Gastwirt Karl Bauböck.
Eine eigene Organisation gab es nach dem 1. Weltkrieg für Gurtens Heimkehrer noch nicht. Manche gehörten dem Veteranenverein Geinberg an.
Kameraden im 1. Weltkrieg 1915.
Stehend: Heinrich Kriegleder, Josef Ebetshuber, Karl Huber, Schustermann in Baumgarten, Fritz Grünbart, Geinberg, unbekannt, Felix Stelzhammer; sitzend mit Zither: Karl Wimmer.
1914 Auer Matthias Rußland
Briedl Leopold Rußland
Gallhammer Josef Serbien
Maier Ludwig Rußland
Reich Johann Rußland
Stranzinger Georg Rußland
Weiermann Johann Rußland
1915 Auer Georg Rußland
Fuchs Alois Rußland
Kimpflinger Johann Rußland
Leiner Karl Rußland
Rachbauer Johann Rußland
Reisinger Paul Rußland
Reiter Johann Rußland
Reischauer Karl Rußland
1916 Daringer Josef Italien
Diermayr Franz Italien
Fuchs Georg Italien
Kriegisch Vinzenz Italien
Kohlmann Josef Italien
Pumberger Georg Italien
Reischauer Josef Italien
Schabetsberger Johann Italien
Sixt Josef Rußland
Staufer Karl Italien
Wagenleitner Josef Italien
Zechmeister Fritz Italien
Zimmermann Ernst Italien
Auer Johann
Brandstätter Alois
Feichtinger Markus
Furtner Johann
Kasinger Josef
Lechner Karl
Moser Karl
Reich Johann
Weiermann Georg
Wimmer Josef
Gefallene und Vermißte 1. Weltkrieg 1914 bis 1918
1917 Briedl Franz Italien
Fuchs Michael Italien
Pichler Albert Italien
Reisinger Engelbert Italien
Schaurecker Johann Rußland
Wallerstorfer Anton Rußland
Wimmer Ferdinand Italien
Zechmeister Franz Italien
1918 Auer Alois Italien
Hager Karl Italien
König Jakob Rußland
Schönauer Karl Italien
Weinberger Johann Italien
VERMISSTE:
Johann Schabetsberger (vom Wagner in Gurten) gefallen 1916 bei den Isonzoschlachten in Italien
Nicht weniger als 22 Gurtner kamen in den 12 Isonzoschlachten gegen Italien um. Diese Helden unserer Heimat trugen zum Sieg Österreichs in diesen Schlachten bei, doch letztlich waren die Schlachten am Isonzo nicht kriegsentscheidend.
Aus der Gemeindechronik
Das Kriegerdenkmal aus dem Jahre 1923 vor der alten Schule.