Unruhiges Grenzland (1700-1779)
Die Innviertler Bauern rebellieren 1705
1705 wurden zur Finanzierung des Spanischen Erbfolgekrieges in Bayern immer neue und höhere Geldforderungen (Kontributionen) ausgeschrieben. Jeder Hof hatte im Jänner 15 Gulden zu bezahlen, im März wieder 12 Gulden und dann nochmals 4 Gulden. Diese Leistungen wurden schonungslos eingetrieben, das ganze Land ausgeraubt, und wer nicht zahlen wollte oder konnte, aufs Scheußlichste gefoltert und mißhandelt. Im Dezember 1705 führte ein Bauernkongreß zu Braunau bittere Klage über die Ausschreitungen der kaiserlichen Besatzungstruppen und wandte sich an den Reichstag zu Regensburg und damit an den Kaiser. Prinz Eugen hatte zwar Erleichterung versprochen, aber "So ist doch alles und jedes bei dem blossen Wort und Vertrestungen verblieben." Im Gegenteil, es folgten "allerhand Ungemach und Unheil, als da seint schmehliche Untertrukungen, grausambe Plackereyen, gewalthetige Abpressungen des Unserigen, Nothzwang der Weiber und Techter neben anderen vilfeltigen schändlichen Mißhandlungen."
Den Offizieren und Soldaten in den Quartieren genügten die vorgeschriebenen Portionen nicht. Sie erzwangen dazu Wein, Bier und Met, sowie Gesottenes und Gebratenes. An Festtagen wollten sie die feinsten Fische und dazu ein Geldstück unter dem Teller. Die Hausleute wurden in den Hof gejagt, wo sie schwarzes Brot oder höchstens die Überreste des Soldatenmahles verzehren konnten. Die Liste der Gewalttaten ließe sich noch lange fortsetzen. Wer diesen Forderungen nicht nachkam, wurde fürchterlich verprügelt, unflätig beschimpft und lief Gefahr, daß ihm das Haus niedergebrannt wurde. Die eigenen bayrischen Soldaten waren meist auch nicht milder zur Bevölkerung: "Es ist besser, wenn wir euch die Sachen nehmen, bevor es die Kaiserlichen tun." Als dann noch gewaltsame Rekrutenaushebungen einsetzten, deren Opfer an die anderen europäischen Schauplätze des spanischen Erbfolgekrieges gebracht wurden, war bei der Landbevölkerung das Maß der höchsten Verzweiflung und Wut erreicht. Manche Landrichter ließen nämlich die Bauernburschen bei Nacht und Nebel überfallen, in Ketten legen und an Wägen schmieden, um sie dann selbst in der Winterkälte durch Tirol nach Italien abzuführen. So kam es, wie es kommen mußte. Das Landvolk, nicht nur Bauern, diesseits und jenseits des Inn griff aus purer Verzweiflung gegenüber der österreichischen Besatzung zum letzten Mittel des Aufstandes in der "Innviertler Bauernrebellion" 1705. Sie stand unter dem Schlachtruf: „Lieber bayrisch sterben, als kaiserlich verderben." Dieser bayrische Volksaufstand war ein grausamer Partisanenkrieg gegen die kaiserliche Besatzungsmacht, deren Hauptkontingent aufgrund des Kriegsverlaufes nicht mehr in Bayern lag. Hier streiften kaiserliche Reiter in kleinen Abteilungen herum, die das Land unter Kontrolle zu halten hatten. Fielen sie aufständischen Bauern in die Hände, wurden sie grausam niedergemacht.
Pfleger und Landgerichte setzten Miliztruppen gegen die Bauern ein, doch ohne Erfolg. Die Anführer des Aufstandes waren Georg Meindl, ein Bierbrauerssohn aus Weng, der auch "Student von Altheim" genannt wurde, ferner ein Bildschnitzersohn Bonaventura Schwanthaler aus Ried und Sebastian Plinganser, Oberschreiber von Pfarrkirchen im Rottal sowie der Wirt von Schweicketsreuth in Höhnhart, heute Pfarre Maria-Schmolln.
Beginnend im Bayerischen Wald, pflanzte sich der Aufstand mit Windeseile fort. Auch im Innviertel erhoben sich die Bauern. Zu Aurolzmünster und St. Martin malträtierten sie die Schloßverwalter. 200 Burschen rotteten sich in Ried zusammen und zwangen viele aus der übrigen Bauernschaft bei Leib- und Lebensstrafe, sowie Brandschatzung ihrer Habe, beim Aufstand mitzumachen. Eine Bauernschar aus der Rieder Gegend plünderte den zur Ruhe mahnenden Dechant Siegismund Stoll in Gurten aus. Sie überfielen auch die Schlösser Katzenberg und Neuhaus. Obernberg wurde am 14. November 1705 von den Bauern erobert. Sie begehrten von der Bürgerschaft Nachtlager und fügten dem (wahrscheinlich verhaßten) Marktrichter Alexander Carusa einen Plünderungsschaden von 1000 Gulden zu. Schärding ergab sich. Aus unserer Gegend sind von den Aufständischen namentlich bekannt: Der Plaicher-Sohn zu St. Martin, der Hacker-Sohn zu Pischelsdorf, der Holzwimmer-Sohn zu Holzwimm und der ÖttlSohn zu Münsteuer. Von Obernberg zogen die Bauern nach Braunau, das 1705 von beiden Seiten des Inn eingeschlossen wurde, denn im Hauptquartier Simbach stand Plinganser mit den Rottalern. Georg Meindl stand mit seinem Corps in der Ranshofener Gegend. Die Bauernarmee soll insgesamt 24.000 Mann stark gewesen sein, war aber mangelhaft ausgerüstet. Als am 17. November Burghausen im Sturm erobert wurde, fielen den Bauern Geschütze und Munition in die Hände. Damit schossen sie Braunau mit glühenden Kugeln in Brand. Da der Stadtbach und andere Zuflüsse von den Bauern abgegraben worden waren, hatte die befestigte Stadt kein Löschwasser und mußte sich ergeben. Die kaiserliche Garnison marschierte nach Oberösterreich und Salzburg aus. Um den 17. November erhob sich die Bauernschaft im Landgericht Schärding. Sie rottete sich in der Reichersberger Gegend zusammen und verlangte von den Stiften Reichersberg und Suben Gewehre, Geld, Wein und Branntwein. Am 3. Dezember kam Bonaventura Schwanthaler mit der erbeuteten Artillerie vor Schärding an und beschoß es ebenfalls mit glühenden Kugeln, sodaß der kaiserliche Stadtkommandant, wie in Braunau, kapitulieren mußte. Der schon vorher erwähnte Bauernkongreß tagte in Braunau und beriet die Lage der Bauern angesichts der vom Kaiser zu erwartenden Gegenaktionen. Die Bauern wollten auch München einnehmen, doch stellte der kaiserliche General Kriechbaum die Bauern in Sendling bei München zu einer Schlacht, in der sie total aufgerieben wurden. Die Bauern aus dem Vils- und Rottal besiegte Kriechbaum am 8. Jänner 1706 bei Aidenbach in der Nähe von Vilshofen. Dann setzte er über den Inn, Schärding ergab sich wieder, die Bauern flüchteten nach Braunau. Der General versprach allen Bauern Pardon, wenn sie ihre Waffen niederlegen und auf ihre Höfe heimkehren würden. Auch Braunau mußte sich wieder ergeben. Meindl, Plinganser und Schwanthaler flohen. Sie verschanzten sich in den dichten Wäldern um Wasserburg am Inn. Die Bauern liefen beim Anmarsch Kriechbaums gut ausgerüsteter Armee haufenweise nach Hause. Der Aufstand brachte bedeutende Bewegung und Unruhe in unser Land, sein Erfolg war aber bescheiden, denn das Innviertel blieb kaiserlich und die Militärlasten dauerten an. Aber es gab Erleichterungen.
Der einquartierte Soldat hatte nur Anspruch auf einfache Hausmannskost, die Spanndienste wurden erleichtert und Soldaten wurde die Degradierung angedroht, falls sie Exzesse begehen sollten. Dennoch war unsere Heimat verarmt und ausgeblutet, die meisten Bauern hochverschuldet und hatten nur mehr wenig Vieh. Zudem schwärmte als Folge des Krieges zahlreiches "heylloses Gesindel" auf dem Land umher, das wiederum Höfe überfiel und gegen das die Landgerichte mit schärfsten Strafen vorgehen mußten. Doch nach einigen Jahren vernarbten die Wunden. Bauern und Bürger fanden wieder Erwerb und ehrliches Auskommen. Hochzeiten, Jahrmärkte und Kirchtage wurden wie früher gerne und zahlreich besucht.
1711 starb Kaiser Joseph I erst 33jährig an den "Schwarzen Blattern", den Pocken. Sein Tod gab dem ganzen Krieg eine neue Wendung, denn sein jüngerer Bruder Karl, der aussichtsreich um den spanischen Thron gekämpft hatte, gelangte als Karl VI. zur österreichischen Kaiserwürde. Eine Vereinigung der österreichischen Kaiserkrone und der spanischen Königskrone auf einer Person wäre von den europäischen Mächten nie geduldet worden. Daher schloß Karl VI. 1714 den Frieden zu Rastatt, verzichtete auf Spanien und Bayern, erhielt aber dafür die Niederlande (Belgien und Luxemburg) und bedeutende Gebiete Italiens. Der bayerische Kurfürst wurde wieder in seine Rechte eingesetzt und der Reichsacht, in die der 1706 getan worden war, entledigt. Insofern hatte der "Innviertler Bauernaufstand" Erfolg, als das Innviertel wieder bei Bayern verblieb.
LETZTE PESTZEIT
1713 trat wahrscheinlich als Kriegsfolge die Pest zum letzten Mal bei uns auf. Obwohl die österreichische Grenze bei Geiersberg und Pram und alle Innbrücken gesperrt wurden, brach in vielen Ortschaften des Innviertels die Pest aus. In Gurten bestand nahe der Ortschaft Mittermoos eine PestSäule. Da man die Pestopfer immer außerhalb des Ortes begrub, dürfte auch der "Schwarze Tod" in Gurten reiche Ernte gehalten haben. Diese Pestsäule soll 1870 beim Bahnbau ins Fundament des Mittermooser Wächterhauses eingemauert worden sein.
Der junge Kurfürst Karl Albert (1726 bis 1745) bemühte sich wenigstens anfangs durch Sparsamkeit bei Hof die zerrütteten bayerischen Landesfinanzen wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen. Dazu erließ er 1730 eine genaue Kleiderordnung. In dieser wurde verlangt, daß in Bayern nur Tuch getragen werden durfte, das im Lande selbst erzeugt wurde. Doch bald darauf trieb er noch größeren Aufwand als sein Vater. Immerhin waren dem Land 25 Friedensjahre geschenkt.
Österreichischer Erbfolgekrieg (1740 bis 1745)
Das grausame Spiel des spanischen Erbfolgekrieges wiederholte sich für unsere Heimat mit nur wenigen Änderungen beim Österreichischen Erbfolgekrieg. Als Kaiser Karl VI. nur Töchter hinterließ, erkannte neben anderen europäischen Mächten auch Bayern die Herrschaft der jungen österreichischen Erzherzogin Maria Theresia nicht an. Kurfürst Karl Albert baute die Festung Schärding aus, weil er seine Erbansprüche auf Oberösterreich militärisch zur Geltung bringen wollte. Das Holz für die Schanzbauten wurde aus dem Rothenbergwald geschlagen und mußte von den Bauern nach Schärding gefahren werden. Dadurch geriet unsere Heimat wiederum zwischen die Mühlsteine eines Krieges. Kurfürst Karl Albert rückte mit der vereinigten bayrisch-französischen Armee teils über das Innviertel und teils auf der Donau nach Österreich ein. Er ließ sich in Linz als Landesherr huldigen und in Prag zum König der Böhmen krönen. Mittlerweile waren aber der kaiserliche General Bärnklau und der Freiherr von der Trenck mit ihren gefürchteten Panduren und Kroaten ins Innviertel eingefallen. Nach dem Fall von Braunau am 3. Februar 1742 ergaben sich auch die übrigen Städte Bayerns, wodurch das ganze Kurfürstentum bis zur Donau wieder einmal österreichisch besetzt war. Die wilden Panduren und Kroaten hausten im Innviertel wie die Barbaren. Sie schnitten gefangenen Bauern Ohren und Nasen ab und erfüllten das ganze Land mit Furcht und Schrecken. Karl Albert wurde zwar am 12. Februar 1742 in Frankfurt zum Kaiser gekrönt, doch war er ein kranker Mann, dessen Land besetzt und von fremden Truppen ausgeplündert wurde. Zu erdulden hatten es die kleinen Leute, denn wiederum litt das Innviertel entsetzlich unter den Durchmärschen von Bayern, Franzosen und kaiserlichen Truppen. Es hatte hohe Kontributionen aufzubringen sowie Einquartierungen und wiederum zahlreiche Ausschreitungen mutwilliger Soldaten zu ertragen. Der österreichische Erzherzog Karl rückte mit großer Heeresmacht an und schlug die Bayern bei Simbach im Mai 1743, wobei Bayern 4000 Mann verlor, Simbach in Flammen aufging und Braunau belagert und eingenommen wurde. Neuerlich brachen im Innviertel, dem Hauptschauplatz dieses Krieges, bei Mensch und Tier bösartige Seuchen auf, die zahlreiche Opfer forderten. Vor allem war es die "Rote Ruhr", der 1743 in Ried 376 Personen, darunter 77 Kinder, zum Opfer fielen.
Im Stiftsmeierhof Reichersberg verendete der gesamte Rinderbestand. Von den großen Quartierlasten, die unser Land 1744 wiederum trafen, wissen wir, daß von Februar bis Ende April der kaiserliche Hauptmann Schimonsky vom Dragonerregiment Preysing in Gurten in Quartier lag. Im August fiel Friedrich II. von Preußen in Böhmen ein, weil er eine Vergrößerung Österreichs in Richtung Bayern unbedingt verhindern wollte. Daher änderte sich die Lage in Bayern schlagartig zum Nachteil der Österreicher. General Bärnklau zog sich in Richtung Österreich zurück und bezog im Innviertel Winterquartier. Endlich ging der österreichische Erbfolgekrieg 1745 mit dem Friedensschluß von Füssen zu Ende. Kurfürst Karl Albert, als Kaiser Karl VII. genannt, starb 1745 nach nur dreijähriger Regierungszeit. Sein Nachfolger Maximilian Joseph entschloß sich zwar zur Weiterführung des Krieges, hatte aber gegen die Österreicher kein Glück, da diese bei Vilshofen, Straubing und Landshut siegten. Allerdings mußte nicht nur Maximilian Joseph, sondern auch Maria Theresia von Österreich an Frieden denken, denn Österreich hatte von Norden her die Preußen im Nacken sitzen, die sich bereits Schlesiens bemächtigt hatten. Der Habsburgerstaat hatte zudem eine Koalition von Mächten gegen sich, die ihn unter sich aufteilen wollten und der zeitweilig Frankreich, Spanien, Preußen, Bayern und Sachsen angehörten. Das Innviertel kehrte aber noch einmal für mehr als dreißig Jahre zu Bayern zurück.
Die Grundherrschaften
Ortschaft Grundherrschaften
Gurten Landesfürst, Katzenberg, Engelburg i. Bayern, Stift Reichersberg, Landgericht Ried, Gotteshaus Gurten, Pfarrhof Gurten
Baumgarten Herrschaft Aurolzmünster, Landgericht Ried
Dorf Herrschaft St. Martin, Pfleggericht Obernberg, Landgericht Ried
Edt Pfleggericht Obernberg, Pfarrhof Gurten
Freiling
Oberfreiling Stift Mattsee, Stift Reichersberg, Freieigen, Pfarrhof Aspach, Landgericht Ried
Unterfreiling Herrschaft St. Martin, Stift Mattsee, Propsteigericht Ried
Itzenthal Stift Reichersberg, Herrschaft St. Martin
Mittermoos Stift Ranshofen, Propsteigericht und Landgericht Ried
Oberndorf Herrschaft Mühlheim, Herrschaft Neuhaus, Pfleggericht Obernberg, Propsteigericht Ried
Ranzing Herrschaft Aurolzmünster, Landgericht Ried, Pfarrhof Gurten
Reiset Herrschaft St. Martin und Aurolz- münster
Schmalzberg Herrschaft Mühlheim
Schmiedhof Stift Reichersberg
Wagnerberg Herrschaft Aurolzmünster
Die österreichischen Habsburger waren mit dem bayrischen Fürstenhaus Wittelsbach mehrfach verwandt und verschwägert. Das verhinderte aber nicht, daß bei Aussterben einer Linie oder bei Regentenwechsel die in Friedenszeiten geschlossenen Erbverträge in Frage gestellt wurden. Hatte Kurfürst Karl Albert um 1740 die Rechtmäßigkeit der Herrschaftsübernahme der jungen Königin Maria Theresia beeinsprucht und Erbansprüche auf das Land ob der Enns erhoben, so erhob im Gegenzug jetzt der Wiener Hof seinerseits Erbansprüche auf Niederbayern, nachdem Kurfürst Maximilian Josef 1777 das Zeitliche gesegnet hatte.
Da 1700 bis 1705 und 1742 bis 1745 weite Teile Bayerns kaiserlich besetzt gewesen waren und in Landshut schon eine kaiserliche Regierungskommission amtiert hatte, wollte Josef II. Österreich nach Bayern hin vergrößern, auch als Entschädigung für Schlesien, das seine Mutter Maria Theresia an den Preußenkönig Friedrich II. verloren hatte. Nach einem Übereinkommen mit dem Nachfolger Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz rückten österreichische Truppen nach Niederbayern ein und installierten in Straubing den Sitz der österreichischen Landesregierung. Vom Innviertel besetzte Österreich nur das Landgericht Schärding und einen Teil des Landgerichtes Ried. Gurten wäre nach diesem Plan beispielsweise bei Bayern geblieben. Die Demarkationslinie ging von Geiersberg nach St. Martin und führte zwischen Obernberg und Katzenberg an den Inn.
Doch der Preußenkönig legte sich gegen Österreichs Pläne quer. Er wollte mit aller Macht eine Vergrößerung Österreichs verhindern. Es kam an der Nordgrenze der Monarchie, in Österreich-Schlesien, zu militärischen Auseinandersetzungen mit Preußen. Dies veranlaßte Maria Theresia sofort zu einem Zurückstecken der österreichischen Expansionspläne gegen den Willen und hinter dem Rücken Josephs II., der immerhin seit 1765 ihr Mitregent war. Aber Maria Theresia hatte eben genug vom Kriegführen, besonders gegen Friedrich II. Nach unbedeutenden Scharmützeln im Herbst 1778, die als "Kartoffelkrieg" oder "Zwetschkenrummel" in die österreichische Militärgeschichte eingingen - es soll dabei hauptsächlich um die Eroberung von Lebensmitteln für die Truppen gegangen sein - wurde am 13. Mai 1779 der Friede zu Teschen geschlossen. In ihm verzichtete Österreich auf Niederbayern, bekam aber als Erfüllung seiner Erbansprüche den Landstrich zwischen Donau, Inn und Salzach mit den Land- und Pfleggerichten Schärding, Ried, Mauerkirchen, Braunau, Mattighofen, Friedburg und Wildshut mit einer Fläche von 38 Quadratmeilen und einer Bevölkerungszahl von 115.000 Einwohnern.
Durch diesen Zuwachs gewann Österreich eine natürliche Grenze, ein fruchtbares Gebiet und eine ergiebige Kornkammer. Der Name "Innviertel" stammt von Joseph II. selbst. Da das Herzogtum ob der Enns auch bisher schon vier Viertel hatte, mußten Mühl- und Machlandviertel zum "Mühlviertel" vereinigt werden, weil Oberösterreich sonst fünf Viertel gehabt hätte.
Am 2. Juni 1779 huldigten in Braunau die Innviertler Landstände, der Prälatenstand, der Herren-und Ritterstand (Adelige) und die landesfürstlichen Städte und Märkte dem österreichischen Herrscher, nachdem sie ihres Eides auf Bayern entbunden worden waren. Für Gurten leistete die Hofmarkherrin Gräfin Witwe Maria Theresia von Taufkirchen auf Katzenberg als Mitglied des Ritterstandes den Eid auf Österreich.
Schon im Oktober 1779 bereiste Joseph II. das Innviertel zu Pferd. Er ritt vom Haunsberg bei Oberndorf an der Salzach, wo heute noch die mächtige Kaiserbuche an ihn erinnert, über Mattsee und Braunau, über Obernberg und Reichersberg bis Schärding. Weil ihm die Innviertler freundlichen Respekt erwiesen, meinte Joseph II., sie freuten sich auch über die österreichische Verwaltung. Da irrte er allerdings, denn diese verlangte in summa höhere Steuern, brachte die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, weiters eine neue Pfarreinteilung und administrierte in fast alle Lebensbereiche hinein, während der bayrische Kurfürst seine althergebrachten Steuern genommen hatte, die Privilegien anerkannt und sich im übrigen nicht blicken hatte lassen.
In seinem Reisebericht vermerkt der Kaiser über unsere Gegend: "Ein großer Teil vom Pfleggericht (Ried), welcher nicht allzu gebürgig ist, hat alle Gattungen von Getrayd, und jener, welcher nahe dem Gebürg des Hausrugger Viertels sich erstrecket und um die Dörfer Gurten, Wallbach (Weilbach) auch Wippenham lieget, wird mehrer mit Flachs und Hanf angebauet." Wenn man bedenkt, daß der Kaiser den Inn entlang reiste und er unsere Gegend um Gurten und Weilbach schon mehr der Grenze des Hausruckviertels zuordnete, so scheint der Kaiser (Oder war es nur sein Schreiber?) über die Topographie des Innviertels noch unzureichend informiert gewesen zu sein.
Für Gurten brachte die josephinische Regierungszeit 1780 bis 1790 die Abtrennung der Pfarre Kirchheim 1786 und die Unterstellung an die neu gegründete Diözese Linz. Auch der Schullehrer von Gurten, Matthias Koppenstätter, wird durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und durch die Überwachung der Regelmäßigkeit des Schulbesuches mehr Arbeit bekommen haben. In Orten mit Kirchen, die noch keine Schule besaßen, mußte eine eingerichtet werden, wie z. B. in Wippenham. Die Lehrer hatten die vorgeschriebenen Lesungen über den "Normalunterricht" an der Musterschule in Braunau zu hören. Nach erfolgreich abgelegter Prüfung wurden sie erstmals als öffentliche Beamte angestellt.
Als Grundlage einer gerechten Steuerregulierung ließ der Kaiser das sogenannte "Josephinische Lagebuch" anlegen. Die Häuser der Ortschaften wurden numeriert und die einzelnen Besitzungen mit einfachen Mitteln vermessen sowie die Bodenqualität in drei Güteklassen eingeteilt. Es sollten nicht nur die Untertanen, sondern auch die Großgrundbesitzer Steuer zahlen und zwar von einem einheitlichen Steuerfuß aus, dessen Grundlage Größe und Ertragsfähigkeit des Besitzes war. Leider wurde die gerechte Steuerreform des Volkskaisers, wie Josef II. genannt wurde, von seinem Nachfolger Leopold II. auf Drängen des Großgrundbesitzes wieder aufgehoben.
Das Innviertel blieb jedoch noch nicht für immer bei Österreich, wie das Kapitel über die Franzosenkriege zeigen wird.
1779 - Das Innviertel wird österreichisch