Unruhiges Grenzland (1500-1700)
Innviertler Hofmarken
Eine Eigentümlichkeit des Innviertels sind die nur in diesem Landesteil Oberösterreichs vorkommenden Hofmarken. Viele Menschen stellen sich heute unter "Hofmark" die Hauptortschaft einer Gemeinde oder Pfarre vor, im Gegensatz zu den umliegenden kleineren Ortschaften. Andere vermuten unter Hofmark eine Art Mittelding zwischen Dorf und Markt, aber das Wort hat mit Markt und Marktrechten nichts zu tun. Hofmark bedeutete ursprünglich die Gesamtheit aller zu einem Edelsitz gehörigen Gründe und Objekte. Die zum Hof des Gutsherrn gehörige Mark umfaßte also außer dem Schloß auch die um diese herum entstandenen Bauernhöfe und Häuser. Schließlich faßte man eine Hofmark als Ortschaft um ein Schloß oder einen Edelsitz auf. Dazu kam jetzt noch die niedere Gerichtsbarkeit, die der Hofmarkherr ausübte. Todeswürdige Verbrechen waren der hohen Gerichtsbarkeit vorbehalten, die der Landesherr über die Landgerichte ausübte.
Als Herzog Otto von Bayern in akuten Finanznöten war, schrieb er 1312 einen Landtag nach Landshut aus, wo er über 70 adeligen Familien sowie 19 Städten und Märkten gegen Erlag einer bestimmten Geldsumme die niedere Gerichtsbarkeit verlieh. Ein Hofrichter sprach im Namen des Schloßherrn in der Hofmark Recht. Herzog Albrecht V. von Bayern dehnte 1557 die Gerichtsbarkeit auch auf die sonstigen zerstreutliegenden Untertanen des Hofmarkherrn aus. Zusammenfassend ausgedrückt verstand man unter Hofmarken seit 1312 adelige Landgüter, die mit der niederen Gerichtsbarkeit über die mit ihnen verbundenen Ortschaften ausgestattet und der Landesmatrikel einverleibt waren.
Als im Frieden von Teschen 1779 das bisher bayerische Innviertel zu Österreich kam, wurden in der im selben Jahr in Wien erscheinenden Topographie des neu erworbenen Landstriches ca. 50 Hofmarken - unter ihnen Gurten - erwähnt. Auch das beweist, daß Gurten in früheren Jahrhunderten sehr wohl Edelsitze hatte, wenn auch 1779 kein schloßähnliches Gebäude mehr bestand.
Mit der Auflösung der Grundherrschaft 1848 gibt es auch keine Gerichtsbarkeit der Hofmarkherren über ihre Untertanen mehr. Aber der Name "Hofmark" hat sich im Volksmund erhalten, und manche "Hofmärkler" fühlen sich als etwas Besseres als die Dörfler. Wer aber das Wort im eigentlichen Sinn versteht, weiß, daß der Vorzug, in einer Hofmark zu wohnen, einseitig dem Schloßherrn zugute kam. Die Bewohner hingegen hatten das zweifelhafte Vergnügen, von früh bis spät unter den gestrengen Augen des Herrn Hofrichters zu leben.
Gurten eine Hofmark unter der Vogtei des Schlosses Katzenberg
Katzenberg, ein stattliches Schloß auf steiler Anhöhe über dem Innufer, liegt mit der gleichnamigen Hofmark in der Gemeinde Kirchdorf am Inn. Im ausgedehnten Schloßpark sind heute noch zwei tiefe Gräben zu sehen, die zur Verteidigungsanlage des Schlosses gehörten. 1181 wird Katzenberg erstmals in den "Monumenta boica" III, 116 (ältestes bayrisches Urkundenbuch) als befestigte passauische Burg erwähnt. Es wurde "castellum pataviense" genannt und verschiedenen adeligen Familien zu Lehen gegeben. Die Lehensnehmer hatten die Aufgabe, die passauischen Besitzungen in der Umgebung, und damit auch im Gurtental, vor Überfällen zu schützen.
Die Geschlechter auf Schloß Katzenberg
DIE THALHEIMER
Nach verschiedenen Familien, die Katzenberg zu Lehen hatten, erscheinen ab 1269 die Thalheimer mit Lintoldus de Thalham in einer Reichersberger Urkunde. 1402 war ein Lienhart Thalheimer Propst der "Stefanischen Aigen" zu Obernberg. 1415 war ein Burkhart Thalheimer Burghüter zu Obernberg. Um 1450 verlieren sich die Thalheimer in unserer Gegend, und Katzenberg kam um die selbe Zeit durch Kauf an die Mautner.
DIE MAUTNER
Die Familie Mautner war im Gebiet des Weilhartsforstes beheimatet und soll eine nicht ganz lupenreine Vergangenheit als Raubritter gehabt haben.
1378 war Hanns Mautner Mauteinheber zu Burg-hausen. Von diesem Amt leitet sich der Name Mautner her. Friedrich Mautner begründete das "Heilig-Geist-Spital" zu Burghausen und stattete es mit Gütern aus. Andrae Mautner kauft 1416 den "Hof zu Plintenhofen" und das Gut zu Freiling von den Thalheimern.
1492 machte Friedrich Mautner in Salzburg sein Testament. Aus ihm erfahren wir, daß er um 1500 Pfleger (Richter) zu Obernberg war und daß Brauhaus und Taverne Katzenberg schon bestanden. Friedrich Mautner starb 1515. Sein Testament war sehr weitläufig und die Auszahlung der jährlichen Bezüge an seine Witwe Veronika sehr umständlich. Daher wurde zwischen Hanns Mautner (Sohn) und der Witwe Veronika ein Vergleich geschlossen:
"Es sollen ihr (der Witwe) jährlich um Martini 165 Gulden ausbezahlt werden. Sie hingegen verzichtet auf alle weiteren Ansprüche. Als Unterpfand werden ihr unter anderen folgende Güter in Gurten verschrieben: Kaspar von Gurten, Hanns Mayr ob dem Berg zu Gurten, der Schmied zu Gurten, Stefan auf dem Schreckengut zu Gurten, die Taferne selbst, der Fleischhacker alda, . . .". Daraus können wir entnehmen, daß die Mautner über die Hofmark Gurten nicht nur die Vogtei-rechte ausübten, sondern auch selbst Besitzungen hatten, ferner haben wir einen Hinweis auf das Bestehen der Schloßtaverne (heutiges Gasthaus Bauböck) und das Bestehen einer Fleischhauerei und einer Schmiede.
1525 starb Hanns Mautner. Er liegt in Kirchdorf am Inn begraben, wo an der Außenseite der Kirche ein Grabstein an ihn erinnert. Er hinterließ vier Töchter, und es kam deswegen zu einem Streit mit dem Grafen von Ortenburg bei Passau, der das Lehen wegen der weiblichen Nachfolge als verwirkt ansah. Wahrscheinlich hatte er selber ein Auge auf das schöne Schloß geworfen. 1535 wurde aber den vier Töchtern Katzenberg wiederum zugesprochen, weil es als "Manns- und Weibslehen" verliehen worden war.
Von Veronika Mautner und ihren vier Töchtern ging dann Katzenberg stückweise an die "Schwarzensteiner" über.
DIE SCHWARZENSTEINER
Die Schwarzensteiner waren ein altadeliges Geschlecht in Niederbayern, das auf den Schlössern Engelburg und Fürstenstein saß. Veronika Mautners Töchter heirateten auf umliegende Edelsitze, und 1546 kaufte Wolf von Schwarzenstein das Schloß Katzenberg von ihnen. Wolf war verehelicht mit Anna, geborene Fröschl, Tochter der Veronika Mautner aus erster Ehe. Als Schwiegersohn saß er seit 1530 auf Katzenberg. 1534 kaufte er von Veronika Mautner und ihren Töchtern "die Fischweid zu Grabm, auf der Ach bei Altheim und Mühlheim, die Taferne in der Hofmark Gurten und ein Stück des Fischwassers auf dem Gurtenbach", welche Stücke er dann von Herzog Wilhelm in Bayern zu Lehen erhielt. Die Schwarzensteiner besaßen Katzenberg bis ins späte 16. Jahrhundert. Sie hatten teilweise den lutherischen Glauben angenommen. Ortolf von Schwarzenstein wollte sich um 1580 ein zweites Mal verehelichen. Diese Heirat scheint aber nicht zustande gekommen zu sein, da seine zweite Gemahlin nirgends aufscheint und er kinderlos blieb. Daher erbten Katzenberg sein Neffe Hanns Wolf und dessen drei Schwestern Elisabeth, Anna Maria und Ursula. Elisabeth war schon damals mit Burkhart von Taufkirchen vermählt. Hanns Wolf war der letzte Sproß der Schwarzensteiner auf Katzenberg. Beim Kirchenportal der Pfarrkirche in Kirchdorf erinnert ein Grabstein an Wolf gestorben 1550, Sigmund gestorben 1554, Anna gestorben 1544, Ernst gestorben 1567.
DIE TAUFKIRCHNER
Sie entstammten ebenfalls niederbayrischem Uradel, der seinen Stammsitz in Taufkirchen in Bayern hatte. Burkhart von Taufkirchen, vermählt mit Elisabeth von Schwarzenstein, wurde zum Stammvater der Linie auf Katzenberg, Christoph, Stammvater der Linie auf Ibm. 1595 erbte Burkhart mit seiner Frau die Herrschaft Katzenberg und die dazugehörigen herzoglichen Lehen. Der Ehe entsprossen drei Kinder. Da Burkhart bereits 1602 starb, bekam Katzenberg sein minderjähriger Sohn Wolf Christoph. Da Frau Elisabeth, Wolf Christophs Mutter, Protestantin war, wurde sie 1611 von der bayrischen Regierung aufgefordert, im Rentamt Burghausen (Regierungsstelle) persönlich zu erscheinen, um zur katholischen Religion zurückzukehren. Nach Burghausen reiste sie nicht, und erst nach langem Zögern entschloß sie sich, wieder katholisch zu werden. 1614 berichtet Paul Ith, Pfarrer zu Obernberg, an die bayrische Regierung zu Burghausen, daß Elisabeth von Taufkirchen zur katholischen Religion übergetreten sei und am 20. August 1614 in der Kirche zu Kirchdorf am Inn das katholische Glaubensbekenntnis abgelegt und die heilige Kommunion empfangen habe. Sie starb 1617, wie ihr Grabstein in Kirchdorf angibt.
1629 war die Vormundschaft über Wolf Christoph beendet. Mit ihm wurde die Familie der Taufkirchner in den Freiherrenstand erhoben. Er nannte sich Wolf Christoph, Freiherr von Taufkirchen zu Gutenburg, Katzenberg und Gurten, Herr auf Engelburg, Neukirchen und Enzersdorf. Er war 1641 bayrischer Cornet und hatte eine hohe Stellung beim Rentamt Straubing inne. Er war in erster Ehe mit der Witwe des Wiguleus von Elreching, einer Tannbergerin, und in zweiter Ehe mit Katharina von Leubelfing verheiratet.
Als 1648 die Schweden an das Westufer des Inn kamen und mit ihren Greueltaten panische Schrecken verbreiteten, räumte Wolf Christoph das Schloß. Seine Wertsachen brachte er in Passau in Verwahrung, sein Vieh nach Hallein. In der Folge hatte Katzenberg unter Truppendurchmärschen zu leiden. So mußte 1654 Wolf Christoph 2000 Mann Soldaten unter Obristleutnant von Peuy 14 Tage lang beherbergen. 1678 schickte er seinen Sohn Wolf Johann zum Studium an die Universität Pavia nach Italien. Er gab ihm schriftlich gute Lehren mit, damit er nicht in liederliche Gesellschaft käme. Auch sollte er es nicht unterlasssen, sonntags dem heiligen Meßopfer beizuwohnen.
WOLF JOHANN VON TAUFKIRCHEN
Er erbte Schloß Katzenberg und wurde 1686 in den Grafenstand erhoben. Er machte 1697 Katzenberg zu einem sogenannten Fideikommiß, also zu einem unveräußerlichen Familienbesitz, dessen Erbfolge genau geregelt war. Jährlich mußten 1000 Gulden von den Schulden abgezahlt, sowie weitere 500 Gulden für die Herhaltung des Schlosses aufgewendet werden. Wolf Johann war kurfürstlicher Kämmerer, Vicedom zu Burghausen und Pfleger und Kastner zu Schärding. Er starb 1698 und liegt in Kirchdorf begraben. Katzenberg erbte sein Sohn.
JOSEF FERDINAND, GRAF VON TAUFKIRCHEN
Er bekommt als Herr auf Katzenberg die Lasten des spanischen Erbfolgekrieges voll zu spüren. Die Schloßchronik Katzenberg vermeldet: "1707, den 4. April, haben die von Ungarn heraufmarschierenden dänischen Grenadiere in Gurten zwei Nachtlager gehalten und war die Obrist-LehezBagage (Troß) daselbst im Quartier. Am 14. 4. 1707 ist der kommandierende Hauptmann Baron Nellen vom kaiserlichen Regiment Harrach durch Gurten marschiert und hat viele Unkosten verursacht. Im November 1717 hat das nach Ungarn abmarschierende Regiment Gronsfeld in Gurten viele Erpressungen verübt. 1712 hatte Josef Ferdinand im Schloß Katzenberg durch 15 Wochen die LehoskyHusaren im Quartier."
Siehe spanischer Erbfolgekrieg!
Josef Ferdinand war Generalwachtmeister der kurfürstlichen Armee, Oberst über ein Regiment zu Pferd, Kämmerer und Regimentsrat zu Burghausen und Pfleger zu Mörmosen. Er starb 1720.
JOSEF GUIDO, GRAF VON TAUFKIRCHEN
Sein Sohn JOSEF GUIDO, Reichsgraf von Taufkirchen zu Gutenburg, Katzenberg, Gurten und Engelburg, hatte Katzenberg von 1720 bis 1767 in Besitz. Er war Obrist-Kämmerer in Bayern und mit Maria Theresia, Freiin von Closen, verehelicht. 1738 verkaufte Josef Guido die Hofmark Gurten an seinen Schwager Ferdinand Graf von der Wahl um 13.000 Gulden. Ihn trafen ebenfalls Militärlasten. Im Österr. Erbfolgekrieg 1742 bis 1744 hatte er mehrmals kaiserliche Einquartierungen. Da Josef Guido 1767 kinderlos starb, kam Katzenberg 1767 an seinen Neffen Max aus der Engelburger Linie.
MAX II. GRAF VON TAUFKIRCHEN
Er konnte Katzenberg nicht sofort beziehen, weil sich die Gräfin Witwe Maria Theresia weigerte, seine Erbschaft anzuerkennen. Erst 1775 wurde Max rechtlich als Herr von Katzenberg eingesetzt. 1781 gab er Katzenberg dem Josef Matthias Graf von Taufkirchen in Pacht, welcher es wieder dem Grafen Franz von Aham in Afterpacht gab. Auch er bekleidete hohe bayrische Ämter. Max II. starb 1816.
MAX III. VON TAUFKIRCHEN
Dieser hatte die Herrschaft Katzenberg bis 1831 inne und hinterließ vier Kinder. Die älteste, Karolina, heiratete Karl Freiherrn von Pflummern, der Katzenberg 1831 bei der Lizitation um 32.200 Gulden erstand. Mit der Aufhebung der Grundherrschaft 1848 erlischt auch die Bindung zwischen Katzenberg und Gurten, nachdem es ca. 400 Jahre die Herrschaft über die Hofmark Gurten ausgeübt hatte. 1851 ging Katzenberg auf Freiherrn Konstantin von Pflummern als Besitzer über, dieser verkaufte es an die Ehegatten Pfliegl (1885), der es 1895 an den dänischen Baron Waldemar von Thienen-Adlerflycht und die Gräfin Dubsky aus Rußland weiterveräußerte. 1931 ging der Besitz durch Kauf an die Fabrikantenfamilie Steinbrener aus Winterberg im Böhmerwald über.
Sehenswürdigkeiten im Schloß Katzenberg
Der Schloßbau mit den alten Befestigungsanlagen und zwei tiefen Wassergräben stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Hauptbau hat einen quadratischen Grundriß mit einem Arkadeninnenhof und offenen Laubengängen.
Die Schloßkapelle zum hl. Sebastian hat reiche Deckenstukkaturen aus der Zeit um 1670, die von dem Carlone-Schüler Peter Camuzzi aus Passau stammen. Vom selben Meister sind die 4 Evangelisten aus Stuck. Das Altarbild, darstellend den hl. Sebastian, stammt vom Braunauer Paulus Erlmillner aus dem Jahre 1730. Die Gemälde aus dem Marienleben (17. Jahrhundert) sind wahrscheinlich aus der Obernberger Schule.
Vom ehemals stuckierten Rittersaal ist heute nur noch das schöne Portal aus dem Jahre 1676 vom Schloßhof aus zu sehen. In den Räumen des Schlosses verteilt sind sehr schöne barocke Öfen. Am Torturm befindet sich ein gotisches Steinrelief, das Wappen der Mautner mit freiplastischem Rank-werk aus der Zeit um 1510. An der Schloßseite dieses Turmes befindet sich eine Madonna aus Stein gehauen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die 2 Diskuswerfer stammen von Michael Bernhard Mandl und Andreas Grötzinger aus der Zeit um 1690.
Der Schloßinnenhof und die Kapelle können nach Anmeldung von April bis Oktober besichtigt werden. Ebenso kann man eine kleine Sammlung von alten Gebetbüchern und Kalendern der Firma Steinbrener im Torturm besichtigen.
Nach dem 30jährigen Krieg
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), der Deutschland verheerte und verwüstete, wurde das Land in seiner wirtschaftlichen Entwicklung um mehr als ein Jahrhundert zurückgeworfen. Die Schweden und die mit ihnen verbündeten Franzosen verwüsteten 1646 unter unzähligen Greueln das Bayernland zwischen Inn und Isar, und es bestand Gefahr, daß sie auch über den Inn setzen würden. Doch dazu kam es nicht, denn 1648 wurde der Westfälische Friede geschlossen. Obwohl nicht eines Schweden Fuß das Innviertel betreten hatte, war dennoch das Elend unbeschreiblich, welches die letzten Kriegsjahre in unsere Gegend brachten. Die oftmaligen Durchmärsche der bayrischen, wie auch der kaiserlichen Truppen, die beide nach Feindesart plünderten, Häuser niederbrannten und Saaten verwüsteten, führten zu Hungersnot und Krankheit, die ganze Gegenden entvölkerten. 1649 regnete es wochenlang, wodurch die Feldfrüchte verdarben. Dafür traten Hungersnöte und der Schwarze Tod, die Pest, auf. Bei den Angesteckten zeigten sich Beulen und dunkle Flecken, welche aufbrachen, sowie der gefürchtete "verpestete Athem". Arme und Fremde, welche von der Pest befallen waren, wurden in keine Stadt mehr gelassen und auch in kein Haus mehr aufgenommen. Von aller menschlichen Hilfe verlassen, mußten diese Unglücklichen unter freiem Himmel meist an Zäunen ihr Leben aushauchen. Die Menschen standen der Pest vollkommen ohnmächtig gegenüber. Sowohl zu Obernberg, als auch in der Umgebung griff die Seuche furchtbar um sich. Die Regierung zu Burghausen befahl im Oktober 1649 strenge Strafen, wenn Menschen unter irgendeinem Anlaß in größerer Zahl zusammentrafen. Dieser Auftrag wurde an allen Kirchentüren "verrufen". Prälat Jakob Christian von Reichersberg schreibt: "daß man weit und breit durch etliche Wochen schon kein Glocken nicht läutet und noch ein Gottesdienst werden gehalten wegen der so gewaltigen Pest."
"Nebst diesem ist eine so große Hungersnoth, daß die armen Unterthanen hingeworfene Schafköpf, Därmb, Ingewaid von denen armen Leuten gesamblet, gekochet, ob (wohl) es schon voller Maaden und stinkend seie. 0 Elend."
"So weit kombt es nun allhier, daß alle Hof-Marker umb Traydt (Getreide) ihr Bethgewandt und allen Blunder (Hausrat) verschreiben und versetzen und wissen dennoch nit Traydt zu bekommen. Gib alßo mein Traydt khibelweiß auf Borg hinauß, damit sie nur nit Hungers sterben, als wie in unserer Nachbarschaft bereits geschiehet."
Die Bauern auf den größten, dem Stift Reichersberg untertanen Höfen, wie beim "Alichhamer" oder am "Spandlhof", verloren ihr Getreide zusätzlich durch Hagelschauer. Rinder, Schweine und Pferde "standen haufenweise um" (verendeten). Die Armen kauften das Pfund Roßfleisch um 6 Pfennige, das Pfund Rindfleisch um 2 Kreutzer beim Abdecker. Kein Aas war so stinkend und abscheulich, als daß es die von Hunger gepeinigten Menschen nicht angegriffen hätten, von Eicheln, Kleie und Baumrinde als Nahrung ganz zu schweigen.
Im Westen war nun Friede, aber dafür tauchte nun von Osten her eine große Gefahr auf. Die Türken, 1529 schon einmal vor Wien abgewehrt, rückten von neuem gegen die Kaiserstadt. Zur Abwehr mußte militärisch gerüstet werden, daher wurde die "Türkensteuer" eingeführt. 1654 mußte in Bayern der 20. Teil des jährlichen Einkommens der Gotteshäuser und Stiftungen als Türkensteuer abgeliefert werden. 1663 ordnete der Bischof von Passau an, es solle in allen Märkten und auf dem Land nach dem 12-Uhr-Aveläuten mit einer anderen Glocke ein Zeichen gegeben werden. Dann hatte jedermann niederzuknien und mit entblößtem Haupte fünf Vaterunser zu beten zur Abwendung des Zornes Gottes und des türkischen Erbfeindes. Denn dieser hatte die Absicht, nicht nur ganz Südosteuropa, das er schon besaß, sondern auch Mitteleuropa unter türkische Herrschaft zu bringen und mohammedanisch zu machen.
1673 ging der alte Pfarrhof, hölzern und niedrig, in Flammen auf. Damals wurde der heute noch bestehende Pfarrhof aus Steinen und Ziegeln gemauert.
Der Spanische Erbfolgekrieg
Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts verlief in friedlichen Zeiten, die das Land zum Aufbau und zur Erholung bitter nötig hatte. Umso härter war aber das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, als unsere Heimat in den Ablauf des Spanischen Erbfolgekrieges hineingezogen wurde. Mit dem Spanierkönig Karl II. war die spanische Linie der Habsburger ausgestorben. Dem österreichischen Kaiser Leopold I. (1685 bis 1705) stand von Rechts wegen die Nachfolge auf dem spanischen Thron zu. Frankreichs "Sonnenkönig" Ludwig XIV. hatte jedoch dem sterbenden Karl II. ein Testament zugunsten seines Neffen Philipp von Anjou abgerungen. Als nun Philipp im Jahre 1700 tatsächlich zum spanischen König ausgerufen wurde, nahm dies der Kaiser nicht mehr hin. Unter dem Oberbefehl des Prinzen Eugen marschierte die kaiserliche Armee, aus Böhmen kommend, durch das Innviertel in Bayern ein. Der bayrische Kurfürst Max Emanuel hatte sich auf die Seite Frankreichs gestellt, wodurch unsägliches Leid über das Innviertel kam, als die Österreicher Bayern besetzten.
Der österreichische General Graf Schlick stand mit 16.000 Mann bei Riedau und überrumpelte 1703 Ried, seine Vorposten streiften über Mehrnbach, Gurten und Wildenau bis Aspach. Dort überfielen sie die Gräfin Veronika von Aham, welche aber durch den Pfarrer von Aspach, Baron Salburg, in Schutz genommen wurde. Die Herrschaft Wildenau mußte den Kaiserlichen Vorräte, Futter, einige tausend Pfund Brot und acht mit Pferden bespannte Wagen mitgeben, von denen nur wenige wieder zurückkamen. Die Fuhrknechte ließen nämlich in der panischen Angst, von den Soldaten nicht mehr entlassen zu werden, Roß und Wagen stehen und flüchteten in die Wälder.
Schlick wandte sich dann nach Norden, wo es bei Eisenbirn und Schardenberg zu einer Schlacht kam, welche die Baiern gewannen. Die kaiserliche Kavallerie floh über die österreichische Grenze ins "Landl", die Bauern an der Grenze machten Unbeschreibliches mit. Schlick sammelte seine Truppen in Haag am Hausruck und forderte vom Markt Ried 12.000 Gulden Kontribution. Der Rat von Ried schickte nur 1000 Gulden, worauf Schlick Militär nach Ried beorderte, welches Fleisch, Bier, Wein und Futter für die Pferde im Wert von 5000 Gulden requirierte. 12.000 Mann lagen 4 Tage lang im Markt, wodurch die Bürgerschaft einen Schaden von 13.000 Gulden erlitt.
Schloß Wildenau war von seinen Besitzern Max Joseph und Veronika von Aham verlassen worden, die sich in der Festung Braunau in Sicherheit gebracht hatten. Da die Kaiserlichen niemanden antrafen, plünderten sie das Schloß bis auf die letzte Kammer. Nur die Schloßkapelle blieb verschont, da es einem Feldkaplan gelungen war, vor der Kapelle eine Schildwache aufzustellen, welche die Plünderer abhielt. Dadurch wurden auch Bibliothek und Archiv gerettet. Das ganze Corps, Fußvolk und Reiterei, insgesamt 3000 bis 4000 Mann, lagerte auf der "Hofwiese", trieb Vieh und Schafe aus den Ställen und was es nicht fortbringen konnte, schlug es derart zuschanden, daß man es sofort notschlachten mußte. Das gesamte Märzenbier der Herrschaft Wildenau fiel ihm in die Hände. In ihrem Übermut tränkten die Soldaten damit sogar die Pferde und ließen den Rest aufs Feld ausrinnen. Alle Bewohner der Hofmark Wildenau wurden bis auf das letzte Hemd ausgeplündert und bis auf das letzte Huhn ausgeraubt. Beim Abzug zerstörten Soldatenstiefel und Pferdehufe mutwillig die Aussaat. Um ein Niederbrennen ihrer Häuser abzuwenden, mußten die Wildenauer eine „Brandschatzung" von mehreren hundert Gulden noch dazu aufbringen. Nach eigenem Geständnis hausten die Kaiserlichen nirgends so arg wie in Wildenau. Ursache war, daß auch der Schloßverwalter nach Braunau geflohen war. Hätte man freiwillig eine Abfindung gegeben, wäre die Plünderung unterblieben. Die Herrschaft Neuhaus, zwischen Geinberg und Gurten gelegen, erlitt nicht die geringste Gewalttätigkeit. Graf Hans Josef von Aham auf Neuhaus, ein Verwandter der Wildenauer Ahamer, war schlauer und vielleicht auch mutiger. Er blieb auf seinem Schloß, bewirtete die Offiziere reichlich, labte die ringsum einquartierten Soldaten mit Bier und fand sich beim kommandierenden General mit 500 Gulden ab.
Im Oktober 1703 hatte General Gronsfeld das Kommando über die Kaiserlichen übernommen. Aber nicht nur diese, die ja immerhin im "Feindesland" waren, erpreßten die Bevölkerung. Auch die kurbayrische Armee wollte erhalten sein und schrieb ebenfalls drückende Kriegssteuern und Kontributionen aus.
Der Hofmarkherr von Gurten, Graf Josef Ferdinand von Taufkirchen auf Katzenberg, stand als Bayer natürlich auf der Seite Frankreichs. Seine Güter lagen aber im Gebiet, das Österreich besetzt hatte. Da er trotz mehrmaliger kaiserlicher Abmahnungen noch immer zu den Reichsfeinden hielt, wurde er "gefänglich eingezogen" (verhaftet) und in Bregenz (!) in Haft gehalten. Das Innviertel, und darüber hinaus ganz Bayern, war ja unter österreichischer Besatzung, nachdem die Kaiserlichen die vereinigten Bayern und Franzosen 1704 bei Höchstätt vollständig aufgerieben hatten. Der Kurfürst floh, seine Gemahlin schloß eilig einen Waffenstillstand. Die österreichische Regierungszentrale befand sich in Landshut. Sie konfiszierte die Güter des Grafen Taufkirchen und so kam die Herrschaft Katzenberg und damit auch die Hofmark Gurten erstmals unter österreichische Verwaltung. Erst 1715, nachdem in Rastatt Frieden geschlossen worden war, erhielt er die Herrschaft Katzenberg wieder zurück.
Schloß Katzenberg liegt verträumt in einem weitläufigen Naturpark in der gleichnamigen Hofmark in der Gemeinde Kirchdorf am Inn.
Arkadeninnenhof des Schlosses Katzenberg mit offenen Laubengängen. Der mächtige Bau mit quadratischem Grundriß stammt aus dem 16. Jahrhundert.